Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1998 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesellschaft 24. Jahrgang ( 1 998) ,  Heft 4 
Einige Autoren haben loan-to-value Verhältnisse bei kreditfinanzierten 
Hauskäufen als I ndikator für den Zugang zu Kredit verwendet (57), ande­
re haben auf das Verhältnis des inländischen Kreditvolumens zum B IP 
oder auf das Verhältnis des Geldmengenaggregats M2 zum B IP (als I ndi­
kator für den Entwicklungsgrad finanzieller Institutionen) zurückgegriffen 
(58). Der Sampie-Umfang ist aber oft zu klein und die Indikatoren wohl zu 
ungenau, um zu eindeutigen Schlußfolgerungen zu gelangen. 
Es gibt al lerdings indirekte Evidenz, die für d ie Relevanz d ieses Ansat­
zes spricht. Wie schon in  anderem Zusammenhang erwähnt, haben Um­
vertei lungsmaßnahmen in Regressionsanalysen meist einen positiven 
Einfluß auf d ie Wachstumsraten. Das steht im Widerspruch zu den Vorher­
sagen des pol it-ökonomischen Ansatzes, ist aber vereinbar mit den Argu­
menten des Ansatzes unvollkommener Kapitalmärkte. Umvertei lungs­
aktivität (etwa die Bereitstel lung öffentlich finanzierter Ausbi ldungs­
institutionen) mildert die Kreditration ierung ärmerer I nd ividuen und beför­
dert dadurch die gesamtgesellschaftliche Effizienz. Benabou ( 1 996) ver­
bindet beide Ansätze in einem Modell und zeigt, daß d ie Wachstumsrate 
dann n icht länger l inear vom Steuersatz (bzw. den Umverteilungs­
maßnahmen) abhängt. Umverteilung erhöht vielmehr das Wachstum bis 
zu einem bestimmten Punkt, von dem an eine weitere Erhöhung 
wachstumsverringernd wirkt. Dies rührt daher, daß steuerfinanzierte Um­
verteilung einen zweifachen Effekt hat. Einerseits verringert sie den 
l nvestititonsanreiz und ist wachstumsmindernd , andererseits erhöht sie 
aber d ie l nvestititonsmög/ichkeiten ärmerer Haushalte und ist somit (wie 
oben ausgeführt) wachstumsförderl ich . I h r  Zusammenwirken ergibt den 
angesprochenen "glockenförmigen" Zusammenhang zwischen Steuer­
satzhöhe und Wachstum, der - nebenher gesagt - auch als "Mikro­
fundierung" der Produktionsmöglichkeitskurve von Breit (1 974; vgl .  Abbil­
dung 4) angesehen werden kann ,  die jener nur mit Plausibil itäts­
überlegungen gerechtfertigt hat. 
3.4. Weitere Ansätze 
Einem ähnlichen Schema folgt auch der Fertilitätsansatz. Größere Un­
gleichheit führt dazu , daß ärmere Haushalte stärker in d ie Quantität (d .h .  
Bevölkerungswachstum n)  als in  d ie  Qualität (d .h .  Ausbildung u)  ihrer 
Nachkommenschaft investieren.  Ausformulierte Modelle d ieses Zusam­
menhangs wurden bis heute noch nicht vorgestellt, aber Perotti (1 996) ar­
gumentiert in d iese Richtung mittels einer Opportunitätskostenüberle­
gung. Das Aufziehen von Kindern kostet n icht nur unmittelbar Geld, son­
dern auch Zeit. Der Schattenpreis d ieser Zeit steigt mit dem Humankapital 
bzw. Einkommen der Eltern an,  wodurch mit steigendem Einkommen auch 
weniger Nachkommenschaft gewünscht wird . Zweifellos ist der Zusam­
menhang zwischen Fertilität, Ungleichheit und Ausbildung weitaus kom­
plexer (59), und es g ilt die Rolle von Kindern als Arbeitskräftepotential 
landwirtschaftl icher Haushalte sowie als Altersvorsorge zu berücksichti-
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