Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1999 Heft 3 (3)

25. Jahrgang ( 1 999),  Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft 
sprach: der Dollar l itt aufgrund der Finanzkrisen (im Gegensatz 
zum Euro) mit rund 1 0  Prozent Wertverlust in nerhalb kürzester 
Zeit an einer vorübergehenden Schwäche, während die ameri­
kanische Wirtschaft aber rascher wuchs als erwartet. Der (erst 
einzuführende) Euro selbst blieb stark, und zwar einerseits, da 
sich d ie Konj u n kturverschlechterung in ihrem tatsäch l ichen 
Ausmaß nur schleichend u nd etappenweise in den Prognosen 
und in der Folge dann eben auch in den Wechselkursen nieder­
schlug, und andererseits, da man infolge der Skepsis von Ex­
perten und Bürgern (welchen die U nterscheidung von äu ßerer 
und innerer Stabil ität nicht gelang) im Herbst 1 998 aus psycho­
logischen (kaum aus ökonomischen) G ründen Stärke demon­
strieren wollte. Es ist daher irreführend , permanent d ie Euro­
Dollar-Relation von Jahresbeginn 1 999 als Referenzwert heran­
zuziehen . 
• Betrachtet man beispielsweise d ie historische Bandbreite der 
DM-Dollar-Relation oder die Relation des Dollar zu einem syn­
thetischen Euro-Vorläufer, und zieht man dazu auch die unter­
schiedlichen Positionen von EU und USA im Konjunkturzyklus in 
Betracht (ü berraschende ungebremste, geradezu n icht enden 
wollende Stärke in den USA, ebenso ü berraschend stärker als 
erwartete WachstumsverlangsamunQ in der EU, wo sich gera­
de wesentliche Kernländer wie Deutschland und Italien nur äu­
ßerst zäh aus dem hartnäckigen Tief befreien kön nen), so l iefert 
schon alleine die unterschiedliche Konju n kturlage den wesent­
lichen Teil der Erklärung der Entwicklung des Euro-Kurses. Die 
Wirkungskette: ,schwache Gesamtnachfrage/nied rigere Zin­
sen/sinkender Wechselkurs' kann wohl auf den Finanzmärkten 
aufgrund ihres geradezu lehrbuchartigen Verlaufes kaum für 
Ü berraschungen gesorgt haben. Die "Schwäche" des Euro ist 
vielmehr eine Stärke des Dollar. Der Euro-Kurs wird - wie auch 
in der Vergangen heit derjenige von "stabilen" Währungen wie 
DM oder Schil l ing - eine Hochschaubahn bleiben, ohne daß dies 
neue Stabil itätsprobleme verursachen würde. 
• Natürlich kommen dazu noch gewisse psychologische, die 
Märkte leicht veru nsichernde, spezifisch europäische Phäno­
mene, wie der Kosovo-Krieg und die öffentlichen Diskussionen 
über die Erfüllung von Stabil itätszielen der öffentlichen Haushal­
te, doch sei hier die Behauptung gewagt, daß diese alleine (also 
ohne d ie zuvor angefü hrten Gründe wie überhöhter Einstiegs­
kurs und stark d ifferierende Wachstumsraten) bloß zu einem 
kaum merkbaren u nd nicht nachhaltigen Schlenker des Euro­
Wechselkurses geführt hätten. 
Vieles spricht dafür, daß die Kaufkraftparität von Euro zu Dollar 
nun eine vernünftigere Relation darstellt als zuvor. Die seit Anfang 
Jul i  erfolgte Korrektur des Wechselkurses hat jenen Recht gege-
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