Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1999 Heft 3 (3)

Wirtschaft und Gesellschaft 25. Jahrgang ( 1 999),  Heft 3 
ben, die keinen Anlaß für ein Reagieren der europäischen Geldpo­
l itik auf die vorherige Wechselkursentwicklung gesehen hatten .  
E i n  neuer restriktiver I mpuls könnte die Hoffnungen a u f  einen kräf­
tigeren europäischen Konj u n ktu raufschwung wieder einmal zu­
nichte machen u nd - bei einem Kippen der psychologischen Fak­
toren - sogar die Gefahr ergeben ,  daß Europa wie zuvor Japan in 
die Liqu iditätsfalle tappt. 
V. 
Was i n  Europa an der Schwelle zum nächsten Jahrtausend 
also gefragt ist, ist einerseits eine stärkere Gesamtnachfrage und 
andererseits ein höherer Bewu ßtseinsstand über die Bedeutung 
der neuen Ein heitswährung. Letzteres bedarf offensichtlich einer 
verstärkten Aufklärung zur Herausbildung ei nes stärkeren Euro­
(Selbst-)Bewußtseins der d u rch d ie Euro-Kursentwicklung verun­
sicherten europäischen B ü rger. Der konstruktive Beitrag des 
Österreichischen Wirtschaftsjournalismus dazu h ielt sich übri­
gens bislang noch in recht engen Grenzen. 
Was die Nachfrageentwicklung betrifft, so stellt die sogenannte 
"Schwäche" des Euro geradezu einen Segen für die europäische 
Konjunktur dar, bringt sie doch Arbeitsplätze in der Exportwirt­
schaft. Ansonsten sollten die Hoffnungen auf eine rasche Wieder­
belebu ng der Konju n ktur eher auf heim ische Nachfrage­
komponenten gerichtet werden , denn in den U SA wird woh l  i r­
gendwann doch die sanfte Landung der Konjunktur vollzogen wer­
den, u nd in den übrigen Weltreg ionen ist in absehbarer Zeit kaum 
mit einer überschäumenden Dynamik zu rechnen. 
Ein hoffnungsvoller Ansatz könnte in der Verwirkl ichung der 
beim Gipfel in Köln (Juni 1 999) vereinbarten verbesserten Abstim­
mung der u nterschied l ichen Pol itikbereiche sei n ,  welche den 
"Köln-Prozeß" (europäischer Beschäftigungspakt) als dritte Säu­
le dem sogenan nten "Luxemburg-Prozeß" (koord inierte 
Beschäftigungsstrategie) sowie dem "Card iff-Prozeß" (Struktur­
reformen zum besseren Funktionieren der Waren-, der 
Dienstleistungs- u nd Kapitalmärkte) hinzufügt. Der im Pakt vorge­
schlagene regelmäßige Dialog zwischen den wirtschaftspoliti­
schen Entscheidu ngsträgern - natürlich unter Wah ru ng der jewei­
ligen Unabhängigkeit - bietet Möglichkeiten für eine kohärentere 
Wachstums- u nd Beschäftigungsstrategie. Am Beispiel Öster­
reichs ist zu ersehen, daß ein solcher intensiver Dialog unter Ein­
beziehung der Sozialpartner durchaus erfolgreiche Perspektiven 
eröffnen kan n .  
Andererseits sind gewisse Zweifel an d e r  Bereitschaft oder Fä­
higkeit mancher Akteure zu d iesem Dialog angebracht. Es ist zu 
hoffen, daß etwa die Darlegung der Problemsicht der EZB in de-
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