Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1999 Heft 4 (4)

25 . Jahrgang ( 1 999), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft 
Editorial 
Kammerjäger und andere Kritiker 
I. 
Es wird nun anscheinend zu einer regelmäßigen E rscheinung, 
daß im Zusammenhang mit Nationalratswahlen in Österreich die 
Debatte über die Sozialpartnerschaft neu auflebt. Wenn es 1 990 
u nd 1 994 dazu aktuelle Anlässe im Bereich der Verbände selbst 
gab , 1  so wird man d iesmal derartiges kau m  behau pten können. 
Vielmehr war das schlechte Wahlergebnis der Parteien der (frü­
heren) Großen Koalition ausreichend Grund für die Behauptu ng , 
"mit der Großen Koalition sei auch die Sozialpartnerschaft abge­
wählt worden", oder milder, der Wahlausgang sei auch ein Denk­
zettel für die Sozialpartnerschaft. Neu in diesem Zusammenhang 
ist, daß die Kritik aus dem Bereich der Verbände sel bst kommt, 
und zwar von der I ndustriellenvereinigung ( IV). Auch wenn dieser 
traditionell nur der Status eines "halben Sozialpartners" zukommt, 
da die IV in den meisten Gremien nicht aus eigenem Recht, son­
dern d u rch Nominieru ng der Wirtschaftskammer (WKÖ) vertre­
ten ist, ist diese Kritik von innen allein schon für d ie Medien ein hin­
reichendes Anzeichen dafür, daß in der Sozialpartnerschaft und in 
ihren Verbänden manches "n icht stimmt". War als einzelner Ver­
band 1 994/95 die Arbeiterkammer im Zentrum der Kritik gestan­
den , so hat die mehr oder weniger zufäll ige Aufdeckung. auf­
klärungsbed ü rftiger Praktiken mit Spenden diesmal d ie WKO u nd 
ihre gesamte Organisation stärker ins Gerede gebracht. Die 
Eigendynamik der politischen Auseinandersetzung auf der partei­
politischen Ebene trägt das Ihre dazu bei ,  daß sich wiederum eine 
"Grundsatzd iskussion" entwickelt. Da fü hlt sich plötzlich der an­
sonsten verbandspol itisch u nbedarfte und eigentlich auch unbe­
hell igte Musikh istoriker bem ü ßigt, seiner Kritik am "Kammer­
unwesen" beredten Ausdruck zu verleihen, und d ie I nfragestellung 
der Pfl ichtmitgliedschaft erhält in solchen Diskussionen unver­
meidl icherweise neuen Auftrieb. Es erübrigt sich , al le themati­
schen u nd personellen Fixstarter in dieser Diskussion anzuführen. 
Es kan n  h ier auch nicht darum gehen, die Argume nte pro und 
kontra aller wesentlichen Institutionen und Aspekte der Österreichi­
schen Verbändelandschaft wiederzukauen - dazu sei auf ein­
schlägige Publikationen verwiesen.2 Lediglich auf zwei Fragen soll 
näher eingegangen werden. 
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