Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2000 Heft 2 (2)

Wirtschaft und Gesellschaft 
eines starken Konzentrationsprozesses 
(betreffend d ie Zahl der Wettbewerber 
oder auch die Konzentration von Unter­
nehmensaktivitäten) ist zu erwarten. Das 
traditionelle Auto ist schließlich ein rei­
fes, bereits fertig entwickeltes Produkt. 
Tichy betrachtet daher den steirischen 
Automobilcluster-Ansatz als durchaus 
sinnvolles, jedoch riskantes Unterneh­
men und warnt vor einer zu starken Do­
minanz eines derartigen Clusters in ei­
ner Region. Der Politik empfiehlt er d ie 
Schaffung von Clustern, dessen Haupt­
produkte sich in einem noch frühen Sta­
dium des Produktlebenszyklus bewe­
gen. Die Frage ist meiner Meinung nach 
auch, inwiefern ein entsprechender Tech­
nologieeinsatz aus traditionellen Produk­
ten neue Produkte schaffen kann, wie 
dies in der Automobilzul ieferindustrie 
zum Teil sicherlich der Fall ist. 
Tatsache ist, daß Clusteransätze den 
Akteuren in der Wirtschaftspolitik eine 
sehr hohe Flexibilität abverlangen. Denn 
gerade erfolgreiche Cluster neigen dazu, 
sich stark auf bestimmte Produkte (oder 
Verfahren) zu konzentrieren, wodurch im 
Netzwerk das Know-how, völlig neue 
Produkte zu entwickeln, verlorengeht 
(Beispielsweise wurden elektronische 
Taschenrechner, Computer und Drucker 
nicht von den herkömmlichen Büroma­
schinenfirmen entwickelt und werden in 
der Regel auch nicht von diesen produ­
ziert; Tichy spricht von der Gefahr der 
Versteinerung eines Clusters.) 
Cluster und Arbeitnehmer 
Die steirischen Arbeitnehmervertreter 
haben sich bereits ausführlich mit arbeit­
nehmerorientierten Fragen zum steiri­
schen Automobilcluster befaßt. Ende 
1 998 fand dazu eine Betriebsrätekonfe­
renz statt, wo auch Themen wie Cluster­
Betriebsrat und Cluster-Kollektiwertrag 
behandelt wurden. 
Tichy arbeitete in seinem Beitrag die 
Vorteile im Hinblick auf den Arbeits­
markt heraus. Er sieht diese darin, daß 
320 
26. Jahrgang (2000), Heft 2 
die Unternehmen in einem Cluster ähnli­
che Qualifikationen nachfragen und da­
mit ein zum Vorteil der Arbeitnehmer ho­
hes Nachfrageniveau schaffen, wobei die 
Nachfrage nach höheren Qualifikationen 
auch das Lohnniveau in der Region hebt. 
Andererseits würden in der Region spe­
zielle Aus- und Weiterbildungsangebote 
ein qualifiziertes Arbeitskräftepool schaf­
fen, welches wiederum den Unterneh­
men zugute kommt. Darüber hinaus wür­
den die Unternehmen vom Wissensaus­
tausch, der zwischen den qualifizierten 
Arbeitnehmern stattfindet, profitieren. 
Ein weiterer von Tichy beschriebener 
Vorteil von Clustern liegt in der Speziali­
sierung. Diese führt zur Außenvergabe 
von Arbeit und Prozessen, wodurch eini­
ges effizienter als bisher durchgeführt 
werden kann. Dazu ist allerdings anzu­
merken, daß dies für die betroffenen Be­
schäftigten - zumindest kurz- oder mit­
telfristig - mit meist weniger angeneh­
men Begleiterscheinungen verbunden ist 
(neue Firma, neuer Dienstvertrag, even­
tuell auch Kündigung). 
Jedenfalls spricht doch einiges für eine 
starke Einbindung von Interessenvertre­
tungen der Arbeitnehmer in Clustern . 
Regional besteht teilweise bereits eine 
gewisse Einbindung. 
Alles Cluster? 
Daß, wie in der Literatur angenommen 
wird, die Existenz von Clustern das ent­
scheidende Element für die Wettbe­
werbsfähigkeit von Regionen oder Staa­
ten wird und die klassischen wettbe­
werbsrelevanten Faktoren wie Arbeit, 
Energie, Sozial- und Umweltkosten, 
Förderungen usw. dann weniger wichtig 
werden, scheint so nicht ganz plausibel, 
denn die Wettbewerbsvorteile, d ie ein 
Cluster bringen kann, haben zwar nicht 
ausschließlich, aber durchaus auch et­
was mit den Faktorpreisen zu tun. Dazu 
könnte man - etwas aus dem Zusam­
menhang gerissen - ein Zitat von E. J .  
Feser, der für dieses Buch einen Beitrag
        

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