Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2003 Heft 2 (2)

Wirtschaft und Gesellschaft 29. Jahrgang (2003), Heft 2 
speziell für die empirische Untersuchung noch drei weitere Argumente 
besonders betont: 
1 .) Oft wird besonderes Augenmerk auf die Wirkung von Mindestlöhnen 
auf die Beschäftigungssituation jugendlicher Arbeitskräfte gelegt, da 
deren Produktivität relativ gering ist. Die dahinter stehende theoreti­
sche Analyse ist qualitativ ident mit jener des neoklassischen Stan­
dardmodells, al lerdings mit der Erweiterung, dass zusätzlich ver­
schiedene Arten von Arbeit mit unterschiedlicher Produktivität einge­
führt werden und daher Substitutionseffekte möglich sind.7 
2.)  Zusätzl ich zu den direkten Effekten von Mindestlöhnen werden immer 
wieder auch indirekte Lohneffekte betont. Auf Grund von erwünsch­
ten Lohnhierarchien bewirken Veränderungen der Kollektivvertrags­
löhne somit Lohndrift und können daher auch zusätzliche Beschäfti­
gungseffekte in höher bezahlten Personengruppen hervorrufen. 
Empirische Untersuchungen sollten also auch diesen Effekt mit 
berücksichtigen. 
3.) Letztlich ist eine umfassende Diskussion darüber im Gange, i nwieweit 
unterschiedliche institutionelle Verhandlungsebenen die Mindestlohn­
höhe beziehungsweise die Arbeitslosigkeit beeinflussen.8 Demnach 
sei ein so genannter "umgekehrter U-förmiger Zusammenhang" zwi­
schen Zentralisierungsgrad der Verhandlungen und der Höhe des 
Mindestlohnes, beziehungsweise invers dazu der davon abhängigen 
Arbeitslosenrate, zu erwarten . Zentrale Verhandlungen würden zu 
relativ geringeren Lohnforderungen der Gewerkschaften führen , da 
auch die makroökonomische Entwicklung der Ökonomie mit berück­
sichtigt wird .  Gänzliches Fehlen von Gewerkschaftsmacht markiert 
den anderen Extrempunkt, der Arbeitsmarkt würde nicht gestört wer­
den und könnte den Gleichgewichtslohn erzielen. Situationen dazwi­
schen, vor al lem bestimmt durch starke Gewerkschaften auf F irmen­
ebene, würden zu den relativ höchsten Löhnen und damit auch zu 
relativ höchsten Arbeitslosenraten führen. I nsofern sollte auch der 
Zentralisierungsgrad der Verhandlungen die empirischen Ergebnisse 
mit beeinflussen. 
Im Weiteren erfolgt eingangs ein Überblick über bestehende M indest­
lohnsysteme. Dem folgt eine Darstellung und Diskussion der für d ie 
Erhebung der Beschäftigungswirkungen verwendeten versch iedenen 
ökonometrischen Methoden. Danach wird eine Zusammenfassung der 
Ergebnisse der neueren empirischen Literatur zu Beschäftigungswirkun­
gen von Mindestlöhnen präsentiert, die durch d ie Ergebnisse einer 
aktuellen empirischen Untersuchung zur Österreichischen Industrie 
ergänzt wird . Zuletzt werden die wesentlichsten Ergebnisse diskutiert. 
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