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Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2004 Heft 1 (1)

30. Jahrgang (2004), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft Editorial Von Sonntagsreden und Montagsproblemen Überlegungen zur Erweiterung der EU Mit 1 . Mai 2004 tritt die größte Erweiterung der Europäischen Union in Kraft - bezeichnender- oder zufälligerweise am Tag der Arbeit, der in allen Beitrittsländern gefeiert wird und nicht nur in diesen so manchen propagandistischen Missbrauch durch Dikta­ turen überstanden hat. Es werden zehn neue Mitglieder in die EU aufgenommen, vier davon sind Nachbarstaaten Österreichs und haben darüber hinaus ein gutes Stück nicht nur erfreulicher Ge­ schichte mit Österreich gemeinsam. Wie in vielen Reden betont wird , soll damit die Teilung Europas endgültig überwunden und das größte Friedensprojekt aller Zeiten fortgeführt werden. Da der Erste Mai 2004 auf einen Samstag fällt, bleiben zwei Tage zum Feiern , und danach wird sich herausstel len, dass Deklarationen alleine zu wenig sind und noch viel Arbeit erforderlich sein wird, um die Landschaften zum Blühen und das Friedensprojekt zum Gelingen zu bringen. Mit dieser Erweiterung werden Staaten in die Union aufgenom­ men, die in wirtschaftl icher Hinsicht noch weit vom mittleren eu­ ropäischen und noch weiter vom Österreichischen Wohlstandsni­ veau entfernt sind. Das Pro-Kopf-BIP betrug in den zehn Beitritts­ kandidaten-Ländern 46% des EU-15-Durchschnitts, wenn man zu Kaufkraftparitäten umrechnet, also die Preisniveauunterschiede mit berücksichtigt, und 25%, wenn man mit Wechselkursen um­ rechnet. Österreich hatte zum Vergleich ein Pro-Kopf-BIP von 1 1 0% des EU-Durchschnitts. Hinzu kommt, dass die Unterschie­ de zwischen den Beitrittsländern ebenfalls groß sind. So liegt das Pro-Kopf-BIP im bevölkerungsreichsten Beitrittsstaat Polen bei 41 % des EU-Schnitts, in Slowenien bei 71 %. Das WIIW errechnet im Standardkonvergenzszenario zur Prognose 2003 (2% Wachstum in der EU und 4% in den Beitrittstaaten), dass Polen bis 201 5 in etwa 50% des EU-Pro-Kopf-BIP erreichen wird. Kurz gesagt, es werden also Staaten in die Union aufgenom­ men, die mit Ausnahme Sloweniens und Zyperns ärmer sind als die ärmsten Mitgl iedsstaaten und deutlich ärmer als Österreich, und deren Preisgefüge noch weit vom Preisgefüge der Union ab- 3
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