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Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2004 Heft 1 (1)

Wirtschaft und Gesellschaft 30. Jahrgang (2004), Heft 1 4 weicht. Es stellt sich also die Frage nach den Konsequenzen der Erweiterung. Was kann erwartet werden, wenn Länder mit so unterschiedlichen Voraussetzungen einen gemeinsamen Wirt­ schafts- und je nach weiterer Entwicklung eventuell auch einen ge­ meinsamen Währungsraum bilden, und welche politischen Maß­ nahmen sind angesichts dieser Entwicklungen notwendig? Zunächst zu den wirtschaftlichen Konsequenzen. Im Vorfeld der Erweiterungen gab es eine Fülle von Studien , in denen Auswir­ kungen der Erweiterung auf das Wachstum in der Europäischen Union abgeschätzt wurden. Die Ergebnisse lassen sich kurz zu­ sammenfassen. Die Wachstumseffekte der Erweiterung für die EU sind positiv, aber sehr gering. Angesichts der wirtschaftlichen Grö­ ßenverhältnisse überrascht dies auch nicht, schließlich beträgt das gesamte BIP der Beitrittstaaten nur rund 5% des BIP der EU. Die Schätzungen des Wachstumseffekts liegen bei 0, 1 % zusätzliches jährliches Wachstum in der EU und 0, 1 5% in Österreich. Nur zum Vergleich sei erwähnt, dass das Vorziehen von 2 Mrd. € an Bau­ investitionen um zwei Jahre in schwacher Konjunkturlage in Öster­ reich einen ähnl ich hohen langfristigen Effekt hat. Wenn die EU, die Regierungen der Mitgliedsstaaten und ihre Bewohner sich al­ so nunmehr zur Erweiterung entschlossen haben, so muss man feststellen , dass die erwarteten Wachstumseffekte wohl zu gering sind, um ausschlaggebend zu sein. Der Aspekt der politischen Sta­ bil ität, der am Anfang erwähnt wurde, erscheint nach den Erfah­ rungen in Jugoslawien ein besserer Grund zu sein als alles, was an wirtschaftl ichen Wachstumseffekten geschätzt wurde. Wie aus der ökonomischen Theorie seit langem bekannt ist, ha­ ben Änderungen an den Faktormobil itäten aber nicht nur Wachs­ tumseffekte, sondern auch und vor allem Verteilungseffekte. Wo­ bei Letztere nicht, wie in den öffentlichen Debatten nahe gelegt wird, die Verteilung zwischen den beteiligten Staaten ändern, son­ dern vor allem die Verteilung innerhalb der beteil igten Staaten. ln Berichten und Studien 2/2002 der OeNB analysieren Hofer und Huber d ie Verteilungswirkungen der Erweiterung und kommen im Wesentlichen zu der Erkenntnis, dass die Umverteilungseffekte in Österreich eindeutig zu Lasten der Arbeitnehmerinnen gehen. Nach den Ergebnissen ihrer Untersuchungen, die sich auf den Zeitraum 1991 -94 und auf Auswertungen von Studien für den Zeit­ raum 1988-91 beziehen, werden vor allem Arbeiterinnen und Frau­ en negativ betroffen sein , während besser entlohnte männliche Angestellte profitieren können. Ausgehend von diesen Ergebnis­ sen weisen die Autoren korrekterweise in ihren Schlussfolgerun­ gen darauf hin, dass Umverteilungsmaßnahmen aktiver und pas- ?? ?- _______________ ___.
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