Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2004 Heft 2 (2)

30. Jahrgang (2004), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft 
Editorial 
"Arbeitszeitverlängerung für Arbeitslose" 
So ü bertitelte Heiner Flassbeck vor einigen Monaten einen 
Aufsatz, in dem er zu der i n  Deutschland seit längerem laufen­
den Diskussion über eine Verlängerung der Arbeitszeit Stellung 
nahm. Eine erste Umsetzung dieser Forderung gab es bereits 
im deutschen Bundesland Bayern , wo der Landtag für neu ein­
tretende Beamte die Verlängeru ng der Arbeitszeit von 40 auf 
42 Stunden beschlossen hat, bei g leich blei bendem Monats­
gehalt, versteht sich - was implizit eine Kürzung des Stunden­
loh nes um 5% bedeutet. Eine Arbeitszeitverlängeru ng sogar 
u m  1 0% , näml ich von derzeit 38 auf 42 Stu nden , schlug der 
deutsche Ökonom Hans-Werner S i n n ,  Präsident des M ü nch­
ner lfo-lnstituts für Wirtschaftsforschung vor: Dass Funktionäre 
von U nternehmerverbänden solchen Vorsch lägen ein iges 
abgewinnen können , bedarf keiner weiteren Erklärung. Auch 
wenn sie sich insgesamt mit konkreten tarifpolitischen Forderun­
gen derzeit noch zurückhalten , wird man nicht fehl gehen in der 
Erwartung, dass sie um viel Geld auch schon teure Studien bei 
renommierten Professoren in Auftrag gegeben haben, welche 
der zunächst noch stau nenden Öffentl ichkeit und den unein­
sichtigen Gewerkschaften "beweisen" sollen, welch probates 
Mittel eine Arbeitszeitverlängerung zur Ü berwi ndung der 
wi rtschaftlichen Stagnation, aus der Deutschland und Europa 
seit über drei Jahren nicht herauskommen , und damit auch zur 
Lösung des Beschäftigungsproblems wäre. 
U nter dem i nteressenpol itischen Aspekt gesehen ist die 
Arbeitszeitverlängerung fü r U nterneh m u ngen auf jeden Fa l l  
des h a l b  vielversprechen d ,  wei l  d ie Arbeitskraft notwendiger 
Weise b i l l iger wird ,  u n a b h ä ngig davo n ,  ob sie wä h rend der 
zusätzlich zur Verfügung stehenden Arbeitszeit voll verwendet 
wird .  l n  U nternehmu ngen mit einer g rößeren Zahl von Be­
schäftigten entsteht dadurch d ie Möglichkeit, durch Redu ktion 
der Zahl der Arbeitnehmer (nicht unbedingt im vollen Ausmaß 
der Arbeitszeitverlängerung) den gleichen Output zu niedrigeren 
Loh nkosten zu produzieren. Diese Reaktion der U nternehmer 
ist bei den derzeit gegebenen Bed ingu ngen einer stagnieren-
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