Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2004 Heft 2 (2)

30. Jahrgang (2004), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft 
Arbeitsmarktstrukturen wenig an den g rundlegenden M ustern fam i l iärer 
Arbeitsteilung geändert hat. Nach wie vor sind Frauen zu einem größeren 
Teil für die informelle Arbeit zuständig. Dies zeigt sich auch im Bereich der 
Pflege. 
Die Autorinnen stellen weiter fest, dass auf G rund s i n kender Heirats­
häufigkeit, sinkender Kinderzahlen u nd steigender Scheidungshäufigkeit 
eine zunehmende "Singularisierung" unserer Lebensformen stattfindet und 
dass es somit a bsehbar sei, dass i nformelle fam i l iäre U nterstützu ngs­
netzwerke unter nahen Angehörigen "dünner" werden. 
Es ist anzunehmen, dass jedenfalls i n  mittelfristiger Perspektive der An­
teil der informellen Pflege in Österreich hoch bleiben wird. Dies liegt zum 
einen an der Lohnstruktur: 
"Note that due to the very high labour intensity of their production 
the ability to buy these services depends to a g reat extent on inco­
me differences rather than on the Ievei of income."5 
Ebenso wichtig d ü rfte a ber auch die Einstellung der Menschen zur in­
formellen Pflege sein. G isser hat erhoben, dass i n  erster Linie Ehepart­
neri nnen (94% Zustimmung) und Kinder (81 % Zustimmung) genannt wer­
den, wenn es um die Frage geht, wer älteren Menschen in ihre m  täglichen 
Leben helfen sol l .  Staatl iche E i n richtungen h a ben einen Zusti mm ungs­
g rad von 77%.6 
Die Wichtigkeit der informellen Pflege macht es notwendig, ü ber die Si­
tuation und die Probleme pflegender Angehöriger nachzudenken und auch 
hier Reformperspektiven zu entwickeln. Denkbare I nstrumente wären da­
her ein besserer Sozialversicherungssch utz, d i e  Möglichkeit des Pfle­
geurlaubs und eine bessere Zusammenarbeit zwischen formellen und in­
formellen Pflegepersonen. 
I nsgesamt ist damit zu rechnen, dass der Anteil der informellen Pflege 
in den kommenden Jahren abnehmen wird. Dies hat nicht unmittelbar mit 
einer sinkenden Bereitschaft innerhal b der Fam ilien zu tun, Pflege zu er­
bringen , sondern mit e i ner Änderung der demografischen und Lebens­
formstrukturen. Die Fami lien werden kleiner, die regionale Mobil ität steigt, 
d i e  Frauenerwerbstätigkeit n i m mt zu und das Pensionsantrittsalter wird 
angehoben (die Zah l  der heute 55- bis 50-jährigen Pensionistinnen stellt 
eine wichtige Gruppe in der informellen Pflege dar) - alle Faktoren wirken 
dahingehend, dass sich das Angebot an informeller fam i l iärer Pflege ver­
ringern wird. 
2.2 Ambulant - stationär 
Auf Grund einer Art 1 5a-Vereinbarung haben sich 1 994 die Länder ver­
pfl ichtet, fü r einen dezentralen und flächendeckenden Auf- und Ausbau 
der ambulanten, teilstationären und stationären Dienste zu sorgen. Zu die­
sem Zweck sind in der Vereinbarung ein Leistungskatalog und Qual itäts-
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