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Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2004 Heft 3 (3)

30. Jahrgang (2004), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft verzeichnete EUROpa einen gleichzeitigen Ölpreis- und Dol­ laranstieg, was zu einer viel empfindl icheren Verteuerung der Importe geführt hatte, als d ies im laufenden Jahr der Fall ist (trotz des höheren USO-Preises von Erdöl b l ieb der Erdöl­ preisanstieg in EUROpa bislang deutl ich unter den Euro-Ni­ veaus von 2000). Der zarte Aufschwung, dessen Ende bereits vorhersehbar war, war vor al lem außenwirtschaftl ich getragen und hatte sich noch nicht in einen selbsttragenden Aufschwung gewandelt. Die Zinsschritte, die noch dazu von der EZB über den Wendepunkt des 2. Quartals 2000 hinaus fortgesetzt wur­ den, trugen sicherlich zur Persistenz des EUROpäischen Ab­ schwungs bis ins zweite Quartal 2003 und zur Schwäche des weniger als zarten Aufschwungs bei . E in ige Befürchtungen waren ja unter dem Stichwort Glaub­ würdigkeitsrezession in diese Richtung gelaufen. Es wurde be­ fürchtet, dass die EZB, die als I nstitution noch über keine lan­ ge Geschichte verfügt, sich mit strikter I nflationsbekämpfung ­ auch zu Lasten des Wachstums - die Reputation einer "glaub­ würdigen" Zentralbank "verdienen" würde. Wenn nun jene, die vor solch einer (induzierten) Glaubwürdigkeitsrezession gewarnt hatten, Recht behalten haben, wird d ieser Umstand doch kein Trost für sie sein . Auf den sich abzeichnenden Abschwung reag ierte dem­ gegenüber die Fed beherzt mit 1 1 Zinsschritten nach unten, die das Zinsniveau um 5 , 5 Zinspunkte auf 1 Prozent senkten, wäh­ rend die EZB das Zinsniveau in EUROpa auf einem doppelt so hohen Wert bei einem viel hartnäckigeren Abschwung belas­ sen hat. Die Folge: Der dem Wendepunkt folgende Abschwung in den USA erreichte im 3 . Quartal 2001 seinen Tiefpunkt, in EUROpa wurde der Tiefpunkt wie gesagt im 2. Quartal 2003 erreicht, und das Wachstumsdifferenzial zwischen den USA und EUROpa betrug im 1 . Quartal etwa 3,6 Prozentpunkte, oh­ ne dass die US-Inflation in nennenswerten Ausmaß angestie­ gen wäre. Und trotz des jüngsten Zinsschritts der USA, der hauptsächlich binnenwirtschaftl iche Gründe hat (Auslastung der Kapazitäten , anders ausgerichtete Budgetpol itik, d ie si­ cherl ich in den USA im Gegensatz zu Europa auch einen Wachstumsbeitrag l ieferte) bleibt eine Zinsdifferenz von 1 , 75 Prozentpunkten zu Lasten des EUROpäischen Wachstums und der EUROpäischen Beschäftigung bestehen . Die Chance, welche die EZB sich und EUROpa im Frühjahr 2003 mit der Revision der geldpol itischen Strategie gegeben hatte, hat sie bisher nicht ergriffen. AnstaU externe Angebots- 321
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