Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2005 Heft 2 (2)

3 1 . Jahrgang (2005), Heft 2 Postkolonialismus und die Realität Rezension von: Hans Christoph Buch, Bananenrepublik. Streifzüge durch die postkoloniale Welt, Zu Klampen Verlag, Springe 2004, 206 Seiten, € 16 . Dieses Buch beschäftigt sich mit ei­ nem hoch aktuellen Thema. Jeder eu­ ropäische I ntellektuel le, der auf sich hält, weiß, dass sämtliche nur denkba­ ren Probleme der Dritten Weit auf den Kolonialismus oder auf seine heutige Ausprägung , den Postkolonial ismus, zurückzuführen sind. Wem diese Posi­ tion zu eng ist, kann sie dahin erwei­ tern, dass generell die Globalisierung nicht nur die Armut der Entwicklungs­ länder verursacht, sondern auch für die meisten Schäden der westlichen Weit steht. Das erkennend, eilte die politisch engagierte Jugend dieser Länder - zu­ mindest vor dem 20. September 2001 - zu den WTO-Konferenzen, um dort alles kurz und klein zu schlagen. Frei l ich schien diese grundlegende Einsicht insbesondere jenen nicht aus­ reichend, welche sich bemühten, Ent­ wicklungshi lfe in die Tat umzusetzen und sich vor Ort ganz anderen Ursa­ chen für die Malaise dieser Länder gegenübersahen. Allerdings war ihnen auch nicht mit der klassischen Aussa­ ge geholfen, man müsse nur die Mittel für diese Zwecke erhöhen, dann wer­ de sich unvermeidlich der Erfolg ein­ stellen. Nicht zu reden davon, dass die Sozialwissenschaften in ihren Analy­ sen der - sehr unterschiedlichen - Si­ tuation in den Entwicklungsländern weit zurückreichende Prozesse als Ursa­ chen für den gegenwärtigen Status herausarbeiteten, auf welche die kolo- Wirtschaft und Gesellschaft niale Epoche nur beschränkten - und gar nicht nur negativen - Einfluss aus­ geübt hatte. Das al les ändert frei l ich n ichts an dem durchschlagenden Erfolg der Le­ gende vom Postkolonial ismus, umso weniger, als sich damit noch eine Fül­ le weiterer Schlagworte verbinden lässt, so etwa der "Eurozentrismus", wie das der Autor in seinem ersten Bei­ trag darlegt. Frei l ich würde man ent­ täuscht, wollte man in diesem Buch ei­ ne systematische Auseinandersetzung mit diesen Positionen erwarten. Buch hat als Journalist viele Länder der Drit­ ten Weit bereist und in mehreren Zeit­ schriften darüber Artikel veröffentlicht, welche nunmehr in diesem Band neu­ erdings publ iziert werden. Sie be­ schäftigen sich allerdings nicht nur mit den gegenwärtigen Problemen der be­ suchten Staaten , sondern g reifen manchmal weit in d ie Vergangenheit zurück, so wenn die Verbrechen im Kongo durch die Agenten Leopold I I . von Belgien geschildert werden , oder sie beschäftigen sich mit der indigenen Literatur. Besonders informativ erweist sich die Beschreibung der gegenwärtigen Zu­ stände in bestimmten Regionen, wie et­ wa jener in Darfur, aber auch die Hin­ weise auf die sozialen Gegebenheiten der meisten afrikan ischen Völker­ schaften südlich der Sahara. Diese be­ finden sich häufig in einem vorstaat­ lichen Stadium und sind heute, wie zur Zeit vor der Kolonialisierung, auf Stam­ mesbasis organisiert, woraus sich auch die fürchterlichen Schlächtereien der letzten Jahre erklären ("Ratlose Gut­ menschen. Vom Sinn und Unsinn der Kolonialismuskritik"). Am interessantesten erweist sich die Artikelserie über Haiti , die sich aus wiederholten Besuchen des Landes während der letzten Jahre ergab. Dort 3 1 1

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.