Volltext: Wirtschaft und Gesellschaft - 2005 Heft 2 (2)

31. Jahrgang (2005), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft 
Dies führt zur zweiten Frage nach den Bedingungen für die Durchset­
zung des tarifpolitischen Führungsanspruchs. Empirische Studien weisen 
darauf hin ,  dass das Zusammenwirken folgender Faktoren entscheidend 
ise3 
• Einen Führungsanspruch können nur jene tarifpolitischen Akteure er­
heben, die einen volkswirtschaftlichen Schlüsselsektor repräsentieren. 
Dabei leitet sich der Status als Schlüsselsektor quantitativ weniger aus 
dessen Beschäftigungsanteil, sondern aus dem Grad der Verflechtung 
mit anderen Sektoren ab. Ein hoher Verflechtungsgrad stützt nämlich 
dezentrale Koordinierungsprozesse, indem es spi/1 over-Prozesse be­
günstigt. Dies veranschaulicht insbesondere Japan ,  dessen Pattern 
Bargaining in elaborierte Netzwerkstrukturen der Unternehmen ein­
gebettet ist_34 Generell lässt sich festhalten, dass die Sachgüterindust­
rie ebenso wie die Metall industrie im Besonderen einen außerordent­
lich hohen intersektoralen Verflechtungsgrad aufweisen . Dies präde­
stiniert sie vor al len anderen Sektoren zur Lohnführerschaft in der Ta­
rifpolitik. 
• Tarifpolitische Akteure können ihren Führungsanspruch nur durchset­
zen, wenn sie über entsprechende verbandspolitische Macht verfügen. 
Diese Macht muss in zweierlei Richtung gegeben sein: Einerseits 
gegenüber dem eigenen Sektor, sodass die Kontrolle über die Lohn­
bi ldung "im eigenen Haus" gesichert ist; zum anderen als Einflussge­
wicht gegenüber den Akteuren der anderen Bereiche, in der Weise, 
dass deren Politik de facto dominiert werden kann. Zusammengenom­
men werden auch diese Voraussetzungen kaum durch einen anderen 
Sektor als die I ndustrie im Allgemeinen und die Metallindustrie im Be­
sonderen erfüllt. Das hohe Maß an Kontrolle im Binnenverhältnis ihres 
Tarifbereichs dokumentiert der Tatbestand, dass die Verbände der I n­
dustrie bzw. Metal l industrie im internationalen Verg leich ein über­
durchschnittl iches Niveau des (gewerkschaftlichen) Organisations­
grads35 wie auch der tariflichen Deckungsrate36 aufweisen. Im Vergleich 
zu anderen Sektoren finden sich in Industrie und Metallindustrie über­
durchschnittlich große Unternehmenseinheiten .37 Die Tarifverbände der 
I ndustrie repräsentieren damit Unternehmen , die ökonomisch wie po­
litisch über besonderes Gewicht verfügen . Davon profitieren sie in der 
Regel durch eine im Vergleich zu den Verbänden anderer Sektoren 
überlegene Ressourcenausstattung, der ihnen eine Vorrangposition 
gegenüber d iesen verschafft. So deckt z. B. in der Bundesrepublik 
Deutschland Gesamtmetal l ,  der Arbeitgeberverband der Metal l indust­
rie, mehr als 50% des Budgets der Bundesvereinigung der deutschen 
Arbeitgeberverbände, dem Dachverband der Arbeitgeber.38 Diese Res­
sourcenverteilung führt zur direkten Abhängigkeit der "kleinen" von den 
"großen" Verbänden, indem die kleinen Verbände infolge chronischer 
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