Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2005 Heft 2 (2)

Wirtschaft und Gesellschaft 31. Jahrgang (2005), Heft 2 
Defizite nicht selten der Dauersubventionierung durch die großen Ver­
bände bedürfen. 
Diese Faktoren sind als notwendige, aber keineswegs hinreichende Be­
dingungen für Pattern Bargaining zu interpretieren: Kaum ein anderer Sek­
tor als die exponierte Industrie kann die Lohnführerschaft auf Dauer über­
nehmen. Aber selbst wenn alle strukturellen Voraussetzungen gegeben 
sind, muss es nicht zu Pattern Bargaining kommen. Denn die Genese und 
die Fortentwicklung von Tarifsystemen hängen nicht zuletzt von dem kom­
plexen Zusammenwirken der Ziele und Strategien der tarifpolitischen Ak­
teure, bestehender Traditionen, der ökonomischen und pol itischen Rah­
menbedingungen ab. Anschauungsmaterial dafür bietet der konfliktreiche 
Übergang von einer langen Periode zentral isierter Tarifpol itik zu Pattern 
Bargaining in Schweden.39 
3.3 Zur Vereinbarkeif Verteilungs- und moderierungsorientierter 
Koordinierung 
Nach Pollan {2004, S. 91) ist es die zentrale These der Debatte zur Ana­
lyse der sozioökonomischen Effekte von Lohnverhandlungssystemen, dass 
koordinierte Systeme in gleicher Weise Lohnnivell ierungs- und -moderie­
rungsziele verfolgen können: "The theoretical Iiterature on the economic 
effects of bargaining institutions has yielded two main conclusions: a high 
degree of central isation or coordination fosters, first, fu l l employment and 
price stabil ity and, second , produces wage compression". Obwohl er d ie­
se Behauptung noch an anderer Stelle wiederholt (2004:98) , belegt er sie 
nirgends durch entsprechenden Quellenverweis.40 Es fällt auch schwer, ei­
nen solchen Quellennachweis zu führen, zumindest dann, wenn man auf 
jene Literatur abstel lt , d ie korrekterweise zwischen Zentralisierung und 
Koordinierung unterscheidet. 
Wie oben dargelegt, setzen allein zentralisierte Tarifsysteme eine An­
reizstruktur, die es ihren Akteuren nahe legt, Nivell ierungs- mit Moderie­
rungszielen zu verbinden. Selbst unter der Voraussetzung der Zentralisie­
rung des Tarifsystems bleibt fraglich, ob es tatsächlich gelingt, beide Ziel­
setzungen zu real isieren. Diese Schlussfolgerung liegt nahe, wenn man 
die neuere Literatur zu den Effekten der Lohnverhandlungssysteme in Rech­
nung stellt. Sie betont übereinstimmend die Kontingenz dieser Effekte: Wel­
che Ergebnisse Lohnverhandlungssysteme tatsächlich zeitigen, hängt von 
ihrer Interaktion mit anderen Faktoren (Stärke des exponierten Sektors, Fä­
higkeit der höheren Verhandlungsebenen , nachgelagerte Ebenen zu kon­
trollieren, Unabhängigkeit der Notenbank sowie deren Geldpolitik) ab.41 
Es ist davon auszugehen ,  dass die Effektivität zentralisierter Systeme 
noch stärker als im Falle dezentral koordinierter Arrangements von be­
günstigenden exogenen Faktoren abhängt, da die simultane, hoch zent-
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