Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2006 Heft 4 (4)

32. Jahrgang (2006), Heft 4 die angehenden Arbeitnehmerlnnen. Um diese Hürden bei der Anerkennung von formalen, im Ausland erworbenen Qualifikationen zu reduzieren, wurde z. B. die Datenbank anabin (Anerken­ nung und Bewertung ausländischer Bildungsnachweise) von der Zentral­ stelle für ausländisches Bildungswe­ sen (ZAB) beim Sekretariat der Stän­ digen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutsch­ land (KMK) entwickelt. Diese enthält für eine Vielzahl ausländischer Staa­ ten eine umfangreiche Dokumentation über das Bi ldungswesen, die versch ie­ denen Abschlüsse und akademischen Grade sowie deren Wertigkeit.6 Der Zeitaufwand der bislang jedoch oftmals "erzwungenen" Nostrifizierung veranlasst die Betroffenen häufig dazu , zwischenzeitlich niedrig qualifizierte Arbeiten anzunehmen. D. h . auch im Segment der höher Qualifizierten er­ folgt der Einstieg in die Österreichische Arbeitswelt oft über unqualifizierte Tä­ tigkeiten, da neben Problemen bei der Anerkennung der Zeugnisse auch der Bedarf nach ausländischen Arbeits­ kräften auf gewisse Arbeitsbereiche fokussiert. Von diesem Phänomen der so genannten Dequalifikation sind rd. 1 04.400 Berufstätige in Wien betrof­ fen , die unter ihrem Ausbildungsniveau beschäftigt sind . 40% davon weisen einen Migrationshintergrund auf. 38% der Dequalifizierten mit ausländischer Herkunft haben zwar eine Lehre abge­ schlossen, arbeiten aber in H i lfs- oder Anlerntätigkeiten . 7 Speziell Personen der ersten Ge­ neration haben Probleme, eine ihrer Qualifikation entsprechende Beschäf­ tigung zu finden, wenn sie auf Grund ihrer persönlichen, familiären, finan­ ziellen etc. Situation sofort in Wien Ar­ beit suchen, obwohl sie zum Teil noch nicht oder kaum Deutsch sprechen. Wirtschaft und Gesellschaft Im Vergleich zu den bisherigen beruf­ lichen Tätigkeiten im Herkunftsland kommt es dadurch zu einem Bruch in der Erwerbsbiografie, die dann in der Regel eine Stagnation der Karriere auf niedrigem Niveau , oft aber auch einen beruflichen Abstieg aufweist. Die Er­ werbsbiografie von Personen, deren berufl icher Werdegang unter dem ei­ gentlichen Potenzial verläuft, zeichnet sich in den meisten Fällen durch Pre­ karität und Diskontinuität (Phasen der Arbeitslosigkeit) aus, wobei die Pre­ karität eine Folge der "Unternutzung" der vorhandenen Potenziale ist. Die aus der Dequalifikation resultierende Segregation der Tätigkeiten ist für Per­ sonen mit Migrationshintergrund nur schwer zu überwinden, weil sie als un­ qual ifiziert "abgestempelt" werden. Neben Schwierigkeiten bei der Aner­ kennung und entsprechenden Nutzung der formalen Qualifikationen der Mig­ rantlnnen gestaltet sich die Darstellung und Bewertung ihrer informellen Kom­ petenzen noch problematischer. H ier besteht generell das Problem, dass nicht-formales und informelles Lernen ohne formelle Zertifizierung in vielen Fällen am Arbeitsmarkt n icht anerkannt und entlohnt wird.8 Bei Bewerbungsge­ sprächen bestehen für (potenzielle) Ar­ beitnehmerlnnen kaum Möglichkeiten, informell erworbene Fähigkeiten tat­ sächlich unter Beweis zu stellen , und für Unternehmerinnen sind diese nur schwer zu beurteilen. Personen mit Migrationshintergrund befinden sich daher am Arbeitsmarkt in einem Span­ nungsverhältnis zwischen der Ausprä­ gung bzw. Entwicklung der eigenen Fähigkeiten und deren Wahrnehmung seitens der Arbeitgeberlnnen. ln die­ sem Spannungsverhältnis liegt eine kaum lösbare Herausforderung, die eigenen Stärken und Potenziale den Vorurteilen auf Unternehmensseite 547

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