Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2006 Heft 4 (4)

32. Jahrgang (2006), Heft 4 
gelnde Übereinstimmung h insichtlich 
des Ausbildungsniveaus. Der Großteil 
der in Wien wohnenden bzw. beschäf­
tigten Ost- und Südosteuropäerinnen 
weist die Pflichtschule als höchste 
abgeschlossene (offiziell anerkannte) 
Ausbildung auf, und nur ein kleiner 
Teil sind Akademikerlnnen . Insbeson­
dere Staatsbürgerinnen aus dem ehe­
maligen Jugoslawien und der Türkei 
weisen ein niedrigeres Ausbildungsni­
veau im Vergleich zur Österreichischen 
Bevölkerung auf.10 Die Gründe dafür 
sind vielfältig und reichen von ungenü­
gender Ausbildung im Herkunftsland 
über soziale Benachteil igung bis zur 
mangelnden Anerkennung von Ab­
schlüssen und Qualifikationen. 
Im Zeitablauf ist jedoch bereits ein 
leicht steigendes Ausbildungsniveau 
der in Wien beschäftigten Ost- und 
Südosteuropäerinnen zu beobachten. 
Dieser Trend, der sich in Zukunft weiter 
fortsetzen dürfte, ist einerseits auf die 
zweite Generation (höheres Bildungs­
n iveau der jüngeren im Vergleich zur 
älteren Generation) zurückzuführen, 
und kann andererseits mit der stei­
genden "Angestelltenmigration" be­
gründet werden.1 1  Das mangelhafte 
Ausbildungsniveau dürfte somit als 
Hemmnis für eine qualifiziertere An­
stel lung in  Zukunft an Bedeutung ver­
lieren. 
4.2 Sprachkenntnisse 
Einen wesentl ichen Vorteil für den 
Einsatz von Personen mit Migrations­
hintergrund in Schnittstellenpositionen 
stel len für die Wiener Unternehmen die 
umfassenden ost- und südosteuropä­
ischen Sprachkenntnisse dar. Bei der 
Analyse von Stellenausschreibungen 
zeigt sich, dass von den Unterneh­
men oftmals nur allgemein "Ostspra­
chenkenntnisse" gewünscht werden, 
Wirtschaft und Gesellschaft 
wobei dies vorrangig auf größere Un­
ternehmen zutrifft, die Verflechtungen 
mit mehreren ost- und südosteuropä­
ischen Staaten aufweisen und dafür 
Personal suchen. Werden einzelne 
Sprachen dezidiert als Anforderung in 
den Stellenanzeigen angeführt, han­
delt es sich insbesondere um Kennt­
n isse in Serbokroatisch , Tschechisch, 
Türkisch, Polnisch , Ungarisch, Rumä­
nisch und Slowakisch. ln Hinblick auf 
die gewünschten sprachlichen Kennt­
nisse sind Migrantlnnen gegenüber 
Österreicherinnen im Vortei l ,  da nur 
Personen mit entsprechender Mutter­
sprache die Feinheiten der Sprache 
erschöpfend beherrschen können. 
Diese können nicht "nur" übersetzen, 
sondern kennen auch die mit der 
Sprache verbunden Begriffssystemati­
ken. Manche Ausdrücke oder Begriffe 
können nicht wörtlich übersetzt wer­
den, weil es keine vergleichbaren Be­
zeichnungen in der anderen Sprache 
gibt. Vor allem Personen der ersten 
Generation kennen diese sprachl ichen 
Details, die Höflichkeitsformen sowie 
die dem Gegenüber angepasste Aus­
drucksweise. Die erste Generation 
spricht häufig mehrere Ostsprachen 
oder verfügt zumindest über Grund­
kenntnisse in verschiedenen Spra­
chen, womit sie gegenüber der zweiten 
Generation im Vorteil ist. Migrantlnnen 
der zweiten Generation können sich 
ebenfalls in  der Sprache ihres Migra­
tionshintergrunds verständigen, bei 
einigen fehlt es allerdings laut eigner 
Einschätzung an den Fähigkeiten der 
Verschriftl ichung oder der mündl ichen 
Korrespondenz im Geschäftsalltag, 
was sich allerdings mit vergleichswei­
se geringem Aufwand ändern lässt. 
Neben den gewünschten ost- und 
südosteuropäischen Sprachkennt­
n issen stellen umfassende Deutsch­
kenntnisse eine weitere wesentliche 
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