Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2006 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesellschaft 32. Jahrgang (2006), Heft 4 
in dem vergleichsweise billigen Energieangebot dieser Phase gesehen. Öster­
reich war, im Gegensatz zur Zwischenkriegszeit, ein Land geworden, das zu­
nächst in der Energieversorgung die Autarkie erricht hatte. Besonderer Wert 
wurde auf den Ausbau der Wasserkraft gelegt, für welche Politik die Fertigstel­
lung des Kraftwerkes Kaprun geradezu symbolhaften Charakter erlangte. Ab den 
siebziger Jahren gingen diese Investitionen allmähl ich infolge der mil itanter wer­
denden Umweltproteste zu Ende. Lambach blieb praktisch das letzte größere 
fertig gestellte Wasserkraftwerk. 
Die Kohle spielte unmittelbar nach dem Krieg eine wichtige Rolle, welche sie 
jedoch infolge des Erdölbooms einbüßte. Die Anpassung der Förderung an die 
Marktgegebenheiten wird in dem Beitrag etwas euphemistisch dargestellt. Sie 
war nur unter Krämpfen möglich. Man erinnere sich nur an das Bergwerk Fohns­
dorf, dessen Verluste zuletzt die Lohnsumme überstiegen . Dominiert wird der ös­
terreichische Energieverbrauch heute durch Erdöl und Erdgas, auf welche zwei 
Drittel entfallen. 
Dieser äußerst instruktive Beitrag wird durch Übersichten und Grafiken ergänzt, 
welche freil ich zu aktuellen Fragen noch einer Erweiterung bedürften. Es springt 
nämlich der Umstand ins Auge, dass der Versorgungsbeitrag der erneuerbaren 
Energie die gleiche Größenordnung erreicht wie die Wasserkraft. Dieses Re­
sultat wird allerdings nur dadurch erreicht, dass einerseits industrielle Abiaugen 
diesem Bereich zugerechnet werden, andererseits Brennholz, dessen Verbrauch 
über all die Jahrzehnte bemerkenswert konstant geblieben ist, sowie Holzabfäl­
le. Die von den Umweltaktivisten propagierten Energiearten, wie Windenergie, 
Solarenergie, Geothermik, Photovoltaik, Deponiegas u. Ä. erreichen ledigl ich ein 
halbes Prozent des Verbrauchs, und das nur infolge massiver Subventionen. 
Die Impulse der Außenwirtschaft 
Zentrale Bedeutung für die i ndustrielle Entwicklung des letzten halben Jahrhun­
derts erlangte der Export. Zwischen den Kriegen eher eine Schwachstelle der 
Österreichischen Wirtschaft, wurde dieser zu deren Motor. Österreich profitierte 
n icht nur von der fortschreitenden Integration der europäischen Wirtschaft, son­
dern auch von der "Giobalisierung" und letztlich besonders von der "Ostöffnung". 
Die Exportquote belief sich 1 950 auf 25%, 2003 erreichte sie mehr als 50% des 
BIP. Die Passivität der Handelsbilanz konnte während der ganzen Periode durch 
den Überschuss der Dienstleistungen (Fremdenverkehr) ausgeglichen werden. 
D iese Entwicklung implizierte selbstverständlich tief greifende Strukturände­
rungen des Wirtschaftsbereichs wie auch eine erfolgreiche Pol itik, welche beide 
in dem Beitrag umfassend dargelegt werden. I nsbesonders wird der Wandel von 
der "reaktiven" zur "aktiven" Industriepolitik betont, also von der Subventionierung 
bedrohter Betriebe zu antizipativen Maßnahmen, wie der Förderung von lndust­
rieclustern. 
Unter dem Titel "Vom Staatsvertrag zur EU-Mitgliedschaft" folgt eine umfas­
sende, präzise und informative Darstellung der Entwicklung von Wirtschaft und 
Wirtschaftspolitik in Österreich, sozusagen ein Buch im Buch. Nur am Rande 
seien dazu einige Bemerkungen gestattet: Der Ausspruch vom "Verhungern in  
Neutralität" stammt nicht von Fritz Bock, sondern vom steirischen Landeshaupt-
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