Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2006 Heft 4 (4)

32. Jahrgang (2006), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft 
mann Josef Krainer sen. Vielleicht sollte man die Aussagen über die Periode 
2001 bis 2004 noch etwas differenzieren. Tatsächlich lag das Wachstum des B IP 
2001 und 2002 unter dem EU-Durchschnitt, 2003 darüber und 2004 gleich hoch. 
Die Abgabenquote erreichte mit 44,8% des BIP ihr Maximum, von da an sank sie 
stetig und stand 2005 am tiefsten Wert seit 1 995. Aber es mag sein ,  dass Anfang 
des zweiten Jahrtausends von der Wirtschaftspolitik bremsende Effekte auf das 
Wachstum ausgingen. 
ln der wirtschaftshistorischen Diskussion wurde die Qualität der Österrei­
chischen Unternehmerschaft häufig n icht allzu hoch veranschlagt. Eine Auffas­
sung, welche gerade für den Untersuchungszeitraum sicherlich n icht zutraf. Die 
gewaltigen Anpassungen durch den Wechsel der außenwirtschaftl iehen Schwer­
punkte, die generellen strukturellen Umstellungen, der Integrationsprozess und 
schließlich die Ostöffnung wurden hervorragend bewältigt. 
Der Beitrag verdeutlicht auch den sozialen Wandel dieser Berufsgruppe. Nach 
1 945 standen immer noch die traditionellen Famil ienunternehmer großbürger­
l ichen Zuschnitts im Vordergrund. Neben ihnen entstanden in den sechziger Jah­
ren neue Handwerkerunternehmer - wie etwa in der Skiindustrie -, und es tauch­
ten Einzelkämpfer auf, welche in den achtziger Jahren wieder verschwanden. 
Dasselbe Schicksal widerfuhr den Großbürgern. Der heutige Unternehmertyp 
ist dem Mittelstand zuzurechnen und zeichnet sich durch fundierte Ausbildung 
sowie internationale Aktivität aus. Eine nähere Betrachtung der heutigen Öster­
reichischen Unternehmungen zeigt n icht nur ihre internationale Verflechtung, 
sondern auch ihre starke Position auf dem Weltmarkt. 
Beeindruckend auch die Darstellung des tief greifenden Strukturwandels auf 
dem Österreichischen Kapitalmarkt. Ausgehend von den turbulenten Verhältnis­
sen der unmittelbaren Nachkriegszeit wird dargelegt, wie sich die traditionell be­
stimmte Bankenstruktur allmählich in Richtung von Un iversalbanken verändert 
und, nach dem Intermezzo des Fil ialbooms, auf eine zweckmäßige Konzentrati­
on h in bewegt, welche auch die Eigentumsverhältnisse grundlegend verändert. 
Die Dominanz des öffentlichen oder quasi-öffentlichen (Genossenschafts-)Ei­
gentums wird durch das Eindringen des ausländischen Kapitals abgelöst. 
Interessante Übersichten informieren über die Eigenkapitalausstattung der 
Bankengruppen, die Struktur des Fremdmittelaufkommens, das Ausmaß der Fris­
tentransformation und die Eigenkapitalausstattung im internationalen Vergleich. 
Damit freil ich werden auch die Probleme des Österreichischen Bankensystems 
berührt, nämlich die vergleichsweise geringe Eigenkapitalausstattung und Er­
tragskraft. Letztere konnte im letzten Jahrzehnt durch das intensive Engagement 
in den osteuropäischen Ländern wesentlich erleichtert werden - n icht unbedingt 
durch off-shore-Geschäfte. 
Der Wandel des Humankapitals 
Ein eigenes Kapitel widmet sich dem Wandel des Unternehmerbildes seit Ende 
des Zweiten Weltkriegs. Die Studie gelangt natürlich zu ähnlichen Ergebnissen 
wie das allgemeine Kapitel. Die untersuchte Periode brachte in Österreich einen 
neuen Industriellentyp hervor. Zunächst standen neben den klassischen großbür­
gerlichen lndustriellenfamil ien, für welche Franz Josef Mayer Gunthof als Symbol 
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