Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2006 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesellschaft 32. Jahrgang (2006), Heft 4 
Das wird tatsächlich von der OECD seit Jahren breitgetreten.  Dabei handelt es 
sich teilweise um unzulässige Vergleiche, weil hiebei die Höheren Technischen 
Lehranstalten nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig wie die bisher extrauni­
versitäre Ausbildung der Lehrer. Im Übrigen hat noch niemand zu sagen gewusst, 
wo in jüngerer Zeit eine Knappheit an Akademikern aufgetreten wäre. Die Einzige 
wäre bei Technikern denkbar, aber nicht wegen beschränkter Studienmöglich­
keiten, sondern wegen der latenten Technikfeindlichkeit der Intellektuellen. 
Auch erwähnt der Autor den Vorwurf der "Technologielücke", ein Vorhalt, der 
sich schon auf Grund der Beiträge dieses Bandes über die Industrie eigent­
lich nicht mehr aufrechterhalten lässt. Sicherlich wird auch in Zukunft diese der 
Wachstumsmotor der Österreichischen Wirtschaft bleiben. 
Der zweite Artikel beschreibt die nationalökonomische Szenerie in  Österreich 
nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese ist natürlich in hohem Maße durch die Emig­
ration der großen Namen aus der Ersten Republik gekennzeichnet, von welchen 
kaum einer dauerhaft zurückkehrte - wenngleich sich die Beziehungen zu ihnen, 
insbesonders von Seiten des WIFO und des WIIW, sehr eng gestalteten. Das gi lt 
nicht ganz für F. A. Hayek, welcher eine Gastprofessur in Salzburg annahm. Da 
er sich offensichtlich in Österreich nicht integrieren konnte, kehrte er nach we­
nigen Jahren wieder nach Freiburg zurück. Gerhard Tintner übernahm dagegen 
bis zu seiner Emeritierung eine Professur für Ökonometrie an der Technischen 
Universität Wien. 
Von den Wissenschaftern, welche ihre Laufbahn nach Kriegsende begannen, er­
langten die beiden aus der Emigration zurückgekehrten Ökonomen Kurt W. Roth­
schild und Josef Steindl internationales Renommee. Als einflussreichsten Wissen­
schafter im akademischen Bereich bezeichnet der Autor Erich W. Streissler. 
I nteressant erscheint der Hinweis darauf, dass sich nach Einführung des Öko­
nomiestudiums in Österreich während der sechziger Jahre eine enge Kooperati­
on zwischen Hochschulen und der empirischen Wirtschaftsforschung ergab, die 
ihren N iederschlag in  Berufungen von Mitarbeitern des Österreichischen Insti­
tuts für Wirtschaftsforschung, wie Kurt Rothschi ld, Stephan Koren, Gunther Tichy 
sowie Kasimierz Laski, an die Hochschulen ihren Niederschlag fand. Darüber 
hinaus bemühten sich auch andere Professoren, wie Helmut Frisch oder Ewald 
Nowotny, um die Verbindung von Theorie und empirischer Forschung. Dieser 
Konnex löste sich durch die Mathematisierung der ökonomischen Theorie wieder 
auf. 
Das Zentrum der empirischen Wirtschaftsforschung bildete in Österreich auch 
nach 1 945 das 1 927 von M ises und Hayek gegründete Österreichische Institut 
für Wirtschaftsforschung, dessen fundierte Arbeit in maßgeblicher Weise durch 
die Forscherpersönlichkeit Hans Seidels geprägt wurde. Relevante empirische 
Arbeiten leisteten auch die wirtschaftswissenschaftlichen Abteilungen der Arbei­
terkammer wie der Wirtschaftskammer und später das Institut für Höhere Studi­
en, dessen Gründung auf die Initiative österreichischer Emigranten zurückging. 
Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche vermochte eine inter­
national angesehene Position für die Erforschung der osteuropäischen Volkswirt­
schaften vor und nach der Wende zu erringen. 
Der Höhepunkt des sozialpartnerschaftliehen Einflusses auf die Wirtschaftspo­
litik brachte auch einen entsprechenden von Nationalökonomen mit sich. Im Bei-
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