Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2006 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesellschaft 32. Jahrgang (2006), Heft 4 Neben diesen Argumentationen, die eher darauf abzielen, erwerbs­ konditionale Unterstützungszahlungen vulgo Kombilöhne zu dauer­ haften Bestandteilen der Steuer- und Sozialsysteme zu machen, gibt es auch noch viele Vorschläge und Maßnahmen, die sich als Unter­ stützung beim Eintritt in den Arbeitsmarkt sehen. Keinesfalls überse­ hen werden darf, dass Kombilahn-Modelle stets in ein spezifisches Steuer-Transfer-System eingebettet sind. Daraus ergibt sich , dass die Konsequenzen für monetäre Arbeitsanreize selbst bei gleich gestalte­ ten Kombilahn-Modellen sehr unterschiedlich ausfallen. Welche Wirkungen die verschiedenen Modelle haben, lässt sich n icht auf einen Blick sagen, da die Steuer- und Transfersysteme in den einzelnen Staaten ihre Eigenheiten haben. Empirische Länderstu­ dien sind n icht nur aufwändig , sondern kommen teilweise auch zu un­ einheitlichen Ergebnissen . Eine Beschreibung der Modelle auf Grund ihrer Zielausrichtung erscheint sinnvol l . Armutsvermeidung Mit der 1 975 in den USA eingeführten negativen Einkommensteuer, dem "Earned lncome Tax Credif' (EITC) , wird geringes Erwerbsein­ kommen aufgestockt. Die staatlichen Zuschüsse, die auch ausbezahlt werden, bemessen sich nach dem Verdienst aus Arbeit und Kinderzahl , d. h . Erwerbstätigkeit und Kinder sind notwendige Voraussetzungen. Grundlage bildet das Haushaltseinkommen . Im Jahr 2005 wurden etwa 0,27% des BIP, das waren rund 1 ,3% der Bundeshaushaltsausgaben, an etwa 22 Mio. Haushalte gezahlt. (Es gibt ca. 1 35 Mio. Beschäftigte in den USA). Dazu kommen vermehrt I n itiativen in einzelnen Bundes­ staaten. Zudem gibt es in den USA noch Kindergeld (Child Tax Credit und Additional Child Tax Credit) in Höhe von $ 1 .000 jährlich, bei dem ebenfalls Erwerbstätigkeit Voraussetzung für den Bezug darstellt. Angesichts der weitaus geringeren Sozialquote der USA, und damit auch nur spärlicher anderer Sozialmaßnahmen, wird der EITC in den USA als wesentliche armutsvermindernde Maßnahme angesehen. Doch l iegt die Armutsquote der USA nach OECD-Daten ( 1 7, 1 % im Jahr 2000) weitaus höher als in Deutschland (9,8%) und Österreich (9,3%). Nur zum Vergleich: Die Familienbeihilfe, der Kinderabsetzbetrag und das Kinderbetreuungsgeld in Österreich machen rund 2 ,2% des BIP aus und gehen an fast 1 00% der Familien mit Kindern . Zudem sind sie n icht an Erwerbstätigkeit gebunden. Die Wirkungen des EITC in Hinbl ick auf die Erwerbsbeteil igung wur­ den in vielen Studien untersucht. Die Erhöhung der Erwerbsquote für Alleinerziehende von 1 984 bis 1 996 wird teilweise als Folge des E ITC 436

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.