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Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2007 Heft 3 (3)

Wirtschaft und Gesellschaft 33. Jahrgang (2007), Heft 3 328 oder damit, einen „Mangel an Facharbeitern“ zu beklagen. Aussagen des Wirtschaftsministers und des Sozialministers lassen die Absicht erkennen, die Vollbeschäftigung bei einer Arbeitslosenrate von unter 4% nach Eurostat anzusetzen und die Erreichung des Zieles zu pro- klamieren, sobald bei der Arbeitslosenrate eine Drei vor dem Komma steht. Als wichtigstes Argument wird der europäische Vergleich ange- führt, in dem Österreich seit seinem EU-Beitritt in der Rangliste der Arbeitslosenraten immer weit oben rangiert hat. Ein Staat wie Österreich, der aufgrund der guten institutionellen Vo- raussetzungen am Arbeitsmarkt stets geringere Arbeitslosenraten als der EU-Durchschnitt hatte, muss ein deutlich ambitionierteres Vollbe- schäftigungsziel verfolgen als Staaten mit weniger günstigen Voraus- setzungen. Auch wenn der Einäugige unter den Blinden König sein mag, kann eine stetig fortschreitende Sehschwäche nicht zur Neudefi- nition von Blindheit führen. Dazu kommt noch, dass das Vollbeschäftigungsniveau nicht in al- len EU-Mitgliedsländern beim selben Wert der Arbeitslosenrate liegt, sondern aus wirtschaftlichen, sozialen und politischen Gründen hier sicher Unterschiede zwischen den Ländern anzunehmen sind. Die langfristige Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Österreich Einen wichtigen Anhaltspunkt dafür, wie niedrig die Arbeitslosenrate sein kann bzw. wie hoch sie war, als in Österreich ein Zustand der Voll- beschäftigung herrschte, kann ein historischer Rückblick liefern. Dafür existiert keine Datenreihe nach den Definitionen von Eurostat, sondern nur für die in Österreich immer noch verwendete Definition der sog. „Registerarbeitslosigkeit“, also Arbeitslosigkeit in Prozent der unselbst- ständig Erwerbstätigen nach den Meldungen beim Arbeitsmarktservice (früher Arbeitsamt). Die Arbeitslosenquote allein ist überdies nur eingeschränkt geeig- net, das Problem unzureichender Beschäftigungsmöglichkeiten zu erfassen – vom Problem der Qualität der angebotenen Arbeitsplätze ganz zu schweigen. Neben der Arbeitslosenquote nach Eurostat ist in Österreich auch noch die so genannte nationale Quote gebräuchlich, welche im Jahr 2006 mit 6,8% erheblich über der Eurostat-Quote von 4,8% lag. Abgesehen von unterschiedlichen Begriffsdefinitionen sowie Erhebungs- und Berechnungsmethoden unterscheiden sich diese bei- den Quoten vor allem in einem für dieses Thema wichtigen Punkt: Ab einer Stunde Arbeit in der Erhebungswoche gelten die Menschen nach der Eurostat-Methode jedenfalls als beschäftigt, während bei der nati- onalen Quote geringfügige oder gelegentliche Arbeiten den Status der Arbeitslosigkeit unberührt lassen. Für die Eurostat-Quote wird somit
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