Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2010 Heft 2 (2)

36. Jahrgang (2010), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
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moderne Markt hat es vielfach mit unmessbaren Aktivitäten zu tun, mit 
Ideen und Überzeugungen, und er ersetzt deshalb das Leistungsprinzip 
weitgehend durch das Erfolgsprinzip.29 Erfolge rechtfertigen jede Art von 
Einkommen, aber sie sind nicht notwendig an Leistung gekoppelt. Des-
halb läuft die Propaganda darauf hinaus, dass jede Art von Erfolg, worauf 
immer sich dieser auch gründet, als Rechtfertigung für Remunerationen 
angesehen wird. Das alte Rahmenwerk der Arbeitsorientierungen und der 
Einkommensrechtfertigungen gerät in Verruf. 
Wenn man sich zunehmend nur noch für das Ergebnis interessiert, egal, 
wie es zustande gekommen ist, und wenn man sich an den „Spielgewin-
nern“, an den gefeierten Prominenten („celebrities“), ob an der Börse 
oder im Showgeschäft, orientiert, ist es naheliegend, dass sich weithin 
der Eindruck verbreitet, dass man durch harte Arbeit die Normalität des 
Lebens niemals überschreitet – und dass man, wenn man in dieser Nor-
malität verbleibt, zugleich ein Verlierer ist. Die Einkommenslegitimierung 
von Spitzenmanagern erfolgt neuerdings denn auch auf die gleiche Weise 
wie jene von Superstars.30 Denn üblicherweise haben wir es mit einem en-
trepreunerialen Mythos zu tun, der besagt, dass Manager für ihre höhere 
Rationalität oder superiore Intuition bezahlt werden. In Wahrheit werden 
sie, wie empirische Studien zeigen, für „Herdenverhalten“ bezahlt – indem 
sie tun, was alle tun, weil dies am leichtesten rechtfertigbar ist. Ein zweiter 
Aspekt ist die „Schrotgewehrmethode“: Manager wissen nicht, was sie 
tun, sie ballern mit dem Schrotgewehr in der Gegend herum und kreieren 
auf diese Weise ihre „Strategien“. Einige treffen notwendigerweise und 
werden als „Manager des Jahres“ gefeiert, die meisten treffen nichts und 
bleiben in der Versenkung. Zufallstreffer werden als Genialität etikettiert. 
Zudem sind asymmetrische Verträge vorteilhaft: an Erträgen partizipie-
ren, bei Verlusten mit zusätzlichen Belohnungen aussteigen. Das nennt 
man „Marktkonditionen“ und „Leistungsträger-Risiko“.
Die Ideologisierung des heroischen Managerkapitalismus war in den 
letzten Jahrzehnten Komplement einer sich rasch verbreitenden Spielka-
sino-Mentalität, zu der auch der Aufstieg von Millionenshows, Ranglisten 
und Superstar-Konkurrenzen gehören. Besonders bei den Jugendlichen 
entsteht der nicht ganz unrichtige Eindruck, dass „harte Arbeit“ der siche-
re Weg ist, keinen Erfolg zu haben. Erfolg resultiert vielmehr daraus, dass 
man zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen ist; dass man die rich-
tigen Aktien gekauft hat, weil man einen Tipp bekommen hat; dass man 
die richtigen Leute kennt, die einen zu den Geldquellen zulassen; dass 
man rechtzeitig ein paar „Gegengeschäfte“ vereinbaren kann, Provisio-
nen, Prämien, Kickbacks; dass man den richtigen Bluff lanciert und einige 
über den Tisch zieht; dass man ein „Star“ wird.31
Die Botschaft ist: Die „außerordentlichen“ Gewinne – das ist der Platz, 
wo man hin muss, wenn man nicht auf der Verliererseite der Gesellschaft
        

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