Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2010 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesellschaft 36. Jahrgang (2010), Heft 4
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Erzählung betrifft den demonstrati-
ven Konsum. Karl Marx und Thorstein 
Veblen beschrieben diese distinktive 
Eigenschaft von Konsumgütern. Kon-
sumgüter sind Zeichenträger, über die 
Menschen eine soziale Differenz kom-
munizieren können. Die dritte große 
Erzählung ist die Massenpsychologie 
im Zusammenhang mit Konsum, die 
Automatisierung der Menschen als 
Verbraucher im Sinne sozialer Nor-
men, also sozialer Vorgaben, über wel-
che Dinge man als Einzelner verfügen 
und den Moden folgen müsse. Die letz-
te große Erzählung ist die Psychoana-
lyse, mit anderen Worten die Fähigkeit 
des Unbewussten im Menschen, nach 
außen gerichtete Handlungen zu steu-
ern, ohne die reflexiven Fähigkeiten 
des Bewusstseins anzusprechen; das 
Ich wird hier gewissermaßen als Ob-
jekt gehalten.
Diese großen Erzählungen sind so-
zusagen der unterliegende theoreti-
sche Kontext, aus dem sich die ver-
schiedenen Verbraucherbilder bzw. 
Leitbilder des Verbrauchers in der 
Verbraucherpolitik, in den Aktivitäten 
der Verbraucherverbände und in den 
veröffentlichten Meinungen abformen. 
Das ist eine interessante und oft 
auch zum Widerspruch animierende 
Lektüre, insbesondere, was das Ende 
der Entwicklung betrifft. Hier sind die 
Verbraucher beim postmodernen Kon-
sumenten angekommen, der relativ 
souverän und gewissermaßen von 
Werbung und Marktmachtverhältnis-
sen emanzipiert erscheint. Korrespon-
dierend dazu sinkt der Einfluss der 
Verbraucherverbände. Deren Schutz 
braucht der postmoderne Konsument 
auch nicht mehr so, schließt der Autor. 
Während der Verbraucher ein halbes 
Jahrhundert erst einmal ins Recht zu 
setzen war, müsste er jetzt, ab Ende 
der 80er-Jahre, in die Pflicht genom-
men werden – dies in Hinblick auf 
ökologischen und sozial verträglichen 
Konsum. Wie eingangs erwähnt, feh-
len die letzten zwanzig Jahre. Mög-
licherweise folgt hier der Autor auch 
gewissen Postmodernitätstheorien, die 
– mit der Postmoderne – das Ende der 
Geschichte, sprich geschichtlicher Ent-
wicklung, kommen haben sehen.
 Karl Kollmann
        

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