Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2010 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesellschaft 36. Jahrgang (2010), Heft 4
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mählich eine eigene Maschinenindus-
trie entstehen, welche gleichfalls ihren 
Ausgang von England nahm.
König weist darauf hin, dass sich die 
Industrielle Revolution in Großbritanni-
en ohne fundamentale Umbrüche im 
Transportwesen vollzog. Zwar wurden 
um die Wende des 18. Jahrhunderts 
schon neue Verkehrsverbindungen ge-
schaffen – die berühmten MacAdam 
Straßen –, welche die Reisegeschwin-
digkeit steigerten, aber erst in den 
Dreißigerjahren des 19. Jahrhunderts 
setzte die Verkehrsrevolution durch 
den Bau der Dampfeisenbahnen ein. 
Und um die Mitte dieser Periode folg-
te die Kommunikationsrevolution durch 
die Erfindung und Einrichtung des Te-
legraphen. Freilich wäre hinzuzufügen, 
dass bereits die Eisenbahn als solche 
eine dramatische Beschleunigung der 
Informationsvermittlung mit sich ge-
bracht hatte.
Großbritannien als „Werkstatt der 
Welt“ produzierte in der 1. Hälfte des 
19. Jahrhunderts weit mehr als jeder 
andere Staat. Natürlich bemühten sich 
die europäischen Länder wie auch die 
USA, ihre Produktionsstruktur gleich-
falls umzustellen. Solches gelang vor-
erst vor allem durch den Import von 
englischen Maschinen. Zwar versuchte 
man britischerseits diesen Vorgang zu 
verhindern, jedoch ohne Erfolg. Nicht 
nur Maschinen fanden ihren Weg ins 
Ausland, sie wurden auch noch von 
Fachkräften begleitet, welche ihre 
Etablierung bewerkstelligten. Auch in 
Österreich vollzog sich die Industriali-
sierung unter diesen Umständen. Erst 
im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts 
setzte der Aufholprozess Deutsch-
lands und der USA ein. In Ersterem mit 
Chemie und der optischen Industrie, in 
Letzerem mit Elektrotechnik und dem 
Maschinenbau.
König baut seine Darstellung nicht 
streng chronologisch auf, sondern führt 
in den einzelnen Sachkapitel die Ent-
wicklung bis an die Gegenwart heran 
– gewiss eine sinnvolle Vorgangsweise 
für eine Geschichte der Technik, weil 
man so die Entwicklung dieser besser 
verfolgen kann.
Ein eigenes Kapitel widmet sich dem 
Einfluss des Krieges auf die techni-
sche Entwicklung. Der Autor betont 
hiebei die Bedeutung der Eisenbah-
nen in beiden Weltkriegen, wogegen 
den Flugzeugen im 1. Weltkrieg keine 
entscheidende Bedeutung zukam. Das 
änderte sich im Zweiten, in welchem 
diese sowie die Panzer eine zentrale 
Rolle innehatten. Gegenüber „spinn-
offs“ der Militärtechnik auf den zivilen 
Sektor ist er skeptisch, weil sich direkte 
Investitionen dort als effizienter erwei-
sen könnten.
Die Industrielle Revolution vollzog 
sich in England ohne Ingenieure im en-
geren Sinn. Dort gab es eine entspre-
chende Fachausbildung erst seit den 
1860er-Jahren. Die Erfinder stammten 
aus technisch-handwerklichen Beru-
fen. Lediglich die „Civil Engineers“ ka-
men dem Berufsbild nahe. Dagegen 
reichte die technische Ausbildung in 
Frankreich bis in das 18. Jahrhundert 
zurück. Deutschland folgte zu Beginn 
des 19. Jahrhunderts – wie auch Ös-
terreich. Der Hochschulstatus wurde 
erst um 1870 den Polytechnischen 
Schulen in Deutschland zuerkannt. 
Dazu kamen mittlere technische Lehr-
anstalten, welche sich durch starken 
Praxisbezug auszeichneten – auch 
hier finden wir eine ähnliche Entwick-
lung in Österreich.
Ein Abschnitt widmet sich der Tech-
nik in unserer Konsumgesellschaft. 
Hier beginnt König allerdings mit grund-
sätzlichen Überlegungen zu den Wur-
zeln des Wohlstandes. Dieser resul-
tiere aus der Fähigkeit des Menschen,
        

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