Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2010 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesellschaft 36. Jahrgang (2010), Heft 4
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ihren Strich zu bürsten (Hajo Riese in seiner Laudatio 1979). Als Makroökonom 
war Rothschild Keynesianer, der klaren Kurs hielt in guten und – besonders wich-
tig – in den kritischen Zeiten, welche diese Richtung seit den 80er-Jahren durch-
gemacht hat. 
Bei allem Respekt vor dem schulmäßigen Theoriekanon verstand Kurt Roth-
schild seine Wissenschaft immer auch als politische Ökonomie. Die vom main-
stream der Nationalökonomie vorgespiegelte Wertfreiheit und Eindeutigkeit der 
Erkenntnisse lehnte er als Pseudoobjektivität schärfstens ab. Eine wichtige 
Erkenntnis seiner frühen preis- und lohntheoretischen Arbeiten hatte darin be-
standen, dass innerhalb der Preisbildung auf unvollkommenen Märkten indeter-
minierte Bereiche bestehen, in denen Macht und Verhandlungsstärke das Er-
gebnis bestimmen. „Power in Economics“ war das Thema eines von Rothschild 
herausgegebenen Sammelbandes in der Reihe „Penguin Modern Economics 
Readings“, das ihn unter seinen verschiedenen Aspekten sein ganzes Leben 
beschäftigte: als politische Ökonomie im Sinne von Karl Marx ebenso wie als 
Wirtschaftssystem-Frage im Sinne von Friedrich Hayek oder der Sozialen Markt-
wirtschaft. Werte und Interessen spielen für Rothschild eine legitime Rolle in der 
Wirtschaftspolitik, wobei er seine eigenen Werte immer explizit machte.
Die synthetische Denkweise Rothschilds brachte es mit sich, dass er eine gro-
ße Zahl seiner Arbeiten der Geschichte der ökonomischen Theorie widmete, be-
ginnend bei den Klassikern bis hin zur zeitgenössischen Nationalökonomie.  
Der in Australien lehrende Ökonom J. E. King hat die Bezeichnung „alternati-
ve Österreichische Schule der Nationalökonomie“ mit Bezug auf Kurt Rothschild 
und Josef Steindl (1912-1993), mit dem Rothschild eine lebenslange Freund-
schaft verband, geprägt. Die Botschaften dieser Schule werden auch in Zukunft 
ihre Relevanz behalten.  
 Günther Chaloupek
Erwähnte Bücher und Artikel von Kurt Rothschild:
Price Theory and Oligopoly, in: Economic Journal 57 (1947) 299ff.
The Theory of Wages (Oxford 1954), deutsche Übersetzung u. d. T. „Lohntheorie“ (Berlin 
1963).
Power in Economics (Hrsg.), (Harmondsworth 1971).
The Phillips Curve and All That, in: Scottish Journal of Political Economy 18 (1971) 245ff.
Arbeitslose, gibt’s die?, in: Kyklos 31 (1978).
Hajo Rieses Laudatio anlässlich der Übereichung der Festschrift für Kurt Rothschild und 
Josef Steindl, „Zwei österreichische Nationalökonomen“, ist in „Wirtschaft und Gesell-
schaft“ 5 (1979) 485ff erschienen. 
In „Wirtschaft und Gesellschaft“ erschienene Beiträge 
von Kurt Rothschild:
Small Is Beautiful. Zum 100. Geburtstag von Ernst Friedrich (Fritz) Schumacher, 36/4 
(2010) 569ff.
Einige Bemerkungen zum Thema Mainstream und Heterodoxie, 33/4 (2007) 581ff:
File-URL: http://wug.akwien.at/WUG_Archiv/2007_33_4/2007_33_4_0581.pdf.
        

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