Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2011 Heft 1 (1)

37. Jahrgang (2011), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft
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of the period of transition we face at the beginning of this new century.“ Wie die weiter 
oben zitierten Aussagen von Ökonomen belegen, hat die derzeitige Wirtschaftskrise 
die ökonomische Zunft erschüttert.
17   Hans-Michael Trautwein hat mich daran erinnert, dass dies in Bezug auf Lucas nicht 
unbedingt richtig ist. Einerseits behauptet Lucas immer wieder, dass keynesianische 
Stabilisierungspolitik uneffektiv oder ineffizient sei, andererseits vertritt er etwas schi-
zophren die Meinung, die Hypothese der RBC-Theorie in Bezug auf die Dominanz 
angebotsseitiger Schocks treffe aufgrund der erfolgreichen nachfragebasierten Stabi-
lisierungspolitik der USA in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg so gut zu (vgl. Lucas 
(2004) 23).
18   Zum Folgenden siehe auch Alan Blinders scharfe Kritik an Lucas und seine Verteidi-
gung von Keynes (Blinder (1987)) sowie David Laidlers umsichtige Rekonstruktion der 
Entwicklung der modernen Makroökonomik (Laidler (2009)). Vgl. auch die Arbeit von 
Mazzocchi, Tamborini und Trautwein (2009) über Wicksells und Keynes’ Wissen über 
Makroökonomik, das vielen modernen Ökonomen offensichtlich abgeht.
19   Lucas (2004) 16.
20   Blinder (1987) 135 drückt dies folgendermaßen aus: „Must we be restricted to micro-
foundations that preclude the colossal market failures that created macroeconomics 
as a subdiscipline?”
21   Es scheint der Aufmerksamkeit der meisten Kommentatoren entgangen zu sein, dass 
das Say‘sche Gesetz von den klassischen Ökonomen keineswegs als auf den „Ar-
beitsmarkt“ zutreffend angesehen wurde. Keine geringere Autorität als David Ricardo 
formulierte in seinen „Principles“ (1817): „There is no amount of capital [!] which may 
not be employed in a country, because demand is only limited by production“ (Ricardo 
(1951) 290, Hervorhebung hinzugefügt; vgl. auch Gehrke und Kurz (2001)). Merke: der 
Verweis bezieht sich auf den Einsatz von Kapital, nicht Arbeitskraft, und Produktion, 
nicht Beschäftigung. Nach Ansicht der klassischen Autoren bezieht sich das Say’sche 
Gesetz nur auf die kapitalistische Produktion von Gütern. Da Arbeit(skraft), obgleich 
sie ein besonderes Gut darstellt, nicht in kapitalistischer Weise produziert und repro-
duziert werden kann, traf das Say’sche Gesetz nicht zu. Erst später, in der margina-
listischen Analyse, wurde das „Gesetz des Marktes“ verallgemeinert, um auch den 
Arbeitsmarkt einschließen zu können: Durch flexible Preise und ausreichende Sub-
stitution zwischen Konsumgütern einerseits und Produktions„faktoren“ andererseits 
konnten alle Märkte, einschließlich der Märkte für Produktionsfaktoren, ein Gleichge-
wicht erreichen. Daher erzeugten die Markt„kräfte“ von Angebot und Nachfrage eine 
Tendenz zu vollem Einsatz der Arbeitskraft und voller Nutzung des Kapitalstocks. Für 
eine tiefergehende Untersuchung der Entwicklung grundlegender Konzepte von den 
klassischen zu den marginalistischen Autoren vgl. vor allem Garegnani (2007) und 
Kurz und Salvadori (1995) Kapitel 1 und 14.
22   Lucas (2004) 23. Hier ist Lucas über die Maßen optimistisch oder – um es anders 
zu sagen – er nimmt einfach an, dass das globale Gleichgewicht stabil ist. Natürlich 
bekommt er mit „any kind of dynamics“ nicht das von ihm gewünschte Ergebnis. Lucas 
lässt den Leser wissen, dass er kein Mathematiker sei und bekennt, dass er keine 
Modelle mag, die „too complicated to work them out“ sind; er ist besonders kritisch ge-
genüber „all the dynamics ... that Samuel son introduced, where anything can happen“, 
und jenen Modellen, die zu keinen klaren „Vorhersagen“ führen (Lucas (2004) 15; 
Hervorhebung im Original). Durch die Einführung des allwissenden und allmächtigen 
„Auktionators“ gibt es bei Lucas ex definitione kein Instabilitätsproblem mehr, dafür 
aber klare Vorhersagen. Samuelson (1967) ist natürlich gegen Lucas‘ Vorwurf, seine 
dynamischen Modelle ließen „anything“ zu, in Schutz zu nehmen.
23   Lucas (2004) 22.
        

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