Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2012 Heft 1 (1)

Jahren verfügen.41 Nichtsdestotrotz ist festzustellen, dass die erst für die
Zukunft erwartete Knappheit dieses Rohstoffs bereits in der Gegenwart für
entsprechende Spekulationen und damit eine Verteuerung von Lithium an
den globalen Rohstoffbörsen sorgt.42
Vor diesem Hintergrund ist verständlich, dass neben der reinen Förde-
rung von Lithium zur Herstellung von Batterien auch die Rückgewinnung
von Batterien an Bedeutung gewinnt. Dies gilt umso mehr, wie im Fall
einer beschädigten Batterie mit 100 bis 1.000 Zellen nicht selten weniger
als 5% der Zellen nicht mehr funktionsfähig sind. Grundsätzlich steht
damit einer Wiederverwendung solcher beschädigten Batterien zumindest
technisch nichts im Weg. Das Problem ist auch hier vorrangig ökonomi-
scher Natur, was seinen Niederschlag darin findet, dass das Ersetzen
nicht mehr funktionsfähiger Batteriezellen vergleichsweise arbeits- und
folglich auch kostenaufwendig ist. Dies hat zur Folge, dass gegenwärtig
eine Vielzahl von Batterien einfach entsorgt wird, anstelle sie einer Wie-
deraufarbeitung zuzuführen. Da die Wiederverwertung von in der Batterie
enthaltenen (knappen) Rohstoffen sowohl arbeits- als auch energieinten-
siv ist, zählt die Entwicklung fortschrittlicher Rückgewinnungstechnolo-
gien in diesem Bereich zu einer der Zukunftsaufgaben der Elektromobili-
tät.43 Zugleich kann hier aufgrund der skizzierten Rahmenbedingungen
mit einem erheblichen künftigen Marktpotenzial gerechnet werden,
sodass Investitionen in diesem Techniksegment als vergleichsweise loh-
nend eingestuft werden können.
Eine Betrachtung der zum Markt für Elektrofahrzeuge komplementären
Märkte wäre ohne die Einbeziehung des Energiemarktes und seiner
zukünftigen Entwicklung unvollständig. Konzentriert man sich dabei
zunächst auf die Mengen- und Preiseffekte und geht von den bestehen-
den Versorgungsstrukturen in Deutschland oder Österreich aus, so zeigen
Studien,44 dass bereits eine relativ kleine Zahl von Elektrofahrzeugen bei
einem ungesteuerten Stromladeverhalten zu einer problematischen Leis-
tungsnachfrage führen kann. Dies gilt insbesondere dann, wenn Elektro-
fahrzeuge in nennenswerter Zahl im Berufsverkehr genutzt werden, um
nach Feierabend aufgeladen zu werden. In einem solchen Fall würde das
Aufladen der Elektrofahrzeuge mit der ohnehin allabendlich vorhandenen
Spitzenlast zusammentreffen, d. h. zu einem Zeitpunkt, an dem die freien
Energieerzeugungskapazitäten sehr gering sind und der zusätzliche men-
genmäßige Mehrbedarf zu steigenden Energiepreisen führt. Eine gezielte
Lastverschiebung durch intelligente Steuerung der Stromladezeiten in die
Nacht, wo genügend freie Kraftwerkskapazitäten verfügbar sind, würde
nicht nur zur Aufrechterhaltung der Stabilität des Versorgungsnetzes bei-
tragen, sondern könnte bei – im Unterschied zum Status quo – flexibler
Preisgestaltung je nach Stromladezeit auch dafür sorgen, dass ein Teil der
mit einer effizienteren Netzauslastung verbundenen Unternehmensge-
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38. Jahrgang (2012), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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