Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2012 Heft 1 (1)

Tabelle 1: Einkommensungleichheit in koordinierten und liberalen
Marktwirtschaften
Gini-Koeffizient* R/P 10%** R/P 20%**
Koordinierte Marktwirtschaften
Deutschland 27/28 6,9 4,3
Schweden 23 6,1 3,9
Liberale Marktwirtschaften
Großbritannien 34 13,8 7,2
USA 45/40,8 15,9 8,4
Daten: Spence/ Hlatshwayo 2011
*** Der Gini-Koeffizient nimmt Werte zwischen 1-100 an, wobei 1 einen Zustand vollständi-
ger Gleichverteilung darstellt.
*** R/P 10% bezeichnet den Quotienten aus dem Durchschnittseinkommen der reichsten
10% und dem Durchschnittseinkommen der ärmsten 10%.
*** R/P 20% bezeichnet den Quotienten aus dem Durchschnittseinkommen der reichsten
20% und dem Durchschnittseinkommen der ärmsten 20%.
halb des Industriesektors wesentlich geringer als wie innerhalb des
Dienstleistungssektors. Zweitens führt nach Spence (2011a) das Wachs-
tumsdifferenzial der Wertschöpfung zwischen Industrie und Dienstleistun-
gen sowie die ungleich verteilte Möglichkeit des Offshoring minderwertiger
Aktivitäten zu höheren Lohnwachstumsraten in der Industrie bzw. im Sek-
tor der handelbaren Güter. Nachdem aber in den USA das Beschäfti-
gungswachstum zwischen 1990-2008 überwiegend im Sektor der nicht
handelbaren Güter, d. h. vor allem bei Dienstleistungen im öffentlichen
Sektor sowie im Gesundheitswesen stattfand, nahm die Einkommensun-
gleichheit aufgrund des Strukturwandels zu. Hinzu kommt, dass hoch qua-
lifizierte Arbeiter sowohl im Sektor der handelbaren als auch im Sektor der
nicht handelbaren Güter nachgefragt werden. Der damit induzierte inter-
sektorale Wettbewerb um Arbeitskräfte existiert bei den mittel bis gering
Qualifizierten nicht. Dieses Qualifikationsniveau wurde im Sektor der han-
delbaren Güter etwa infolge von Verlagerungen der Produktion nach
Asien zunehmend wegrationalisiert. Damit entfällt der Lohnwettbewerb in
diesem Qualifikationssegment, und die Löhne stagnieren. Demgegenüber
bietet ein größerer Industriesektor auch Arbeitskräften im mittleren und
unteren Qualifikationsbereich Arbeitsplätze, was eine Partizipation am
höheren Produktivitätswachstum in der Industrie ermöglicht. Ein Vergleich
des qualifikationsdifferenzierten Wachstums zwischen den USA und
Deutschland unterstützt die Argumentation von Spence (2011a). Während
in den USA Arbeitskräfte mit einem Hochschul- oder Collegeabschluss
seit den 1970er-Jahren das höchste relative Lohnwachstum im Vergleich
zu High School-Absolventen aufweisen, haben in Deutschland Arbeits-
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Wirtschaft und Gesellschaft 38. Jahrgang (2012), Heft 1
        

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