Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2012 Heft 1 (1)

3. Ergebnisse
3.1 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Die Entwicklung von Höchsteinkommen ist immer auch im gesamtwirt-
schaftlichen Kontext zu betrachten. Ökonomische Gegebenheiten können
dabei teilweise Tendenzen innerhalb der Topeinkommensanteile erklären
bzw. langfristige Entwicklungen begründen. Einige Indikatoren sind dabei
besonders hervorzuheben.
Das (reale) Wachstum des Pro-Kopf-BIP zeigt u. a., ob das allgemeine
(reale) Einkommensniveau steigt oder stagniert. Dabei kann jedoch nicht
angenommen werden, dass das gesamtwirtschaftliche Produktivitäts-
wachstum gleichmäßig über die verschiedenen Einkommensgruppen hin-
weg verteilt wird. Dew-Becker & Gordon (2005) zeigten zum Beispiel für
die USA, dass über die Periode 1966-2001 nur das oberste Dezil Real-
lohnzuwächse über oder entsprechend dem Produktivitätswachstum
erzielen konnte. Die untersten 90% der Einkommensempfänger hingegen
verzeichneten Reallohnzuwächse unterhalb der gesamtwirtschaftlichen
Produktivitätsentwicklung und verloren somit Anteile am gesamten Ein-
kommenszuwachs.13 Diese ungleichmäßige Aneignung des Produktivi-
tätssteigerung bewirkte eine bedeutende Zunahme der Einkommenskon-
zentration.
Der auch in Österreich zu verzeichnende starke Rückgang der Lohn-
quote seit Mitte der 1970er-Jahre muss aber auch ganz direkt Auswirkun-
gen auf die personelle Einkommensverteilung haben. Unter der (empi-
risch vielfach bestätigten) Annahme, dass Lohneinkommen generell
egalitärer verteilt sind als Nicht-Lohn- bzw. Kapitaleinkommen, muss die
Umverteilung von den Lohn- zu Kapitaleinkommen auch rein mechanisch
zu einem Anstieg der Ungleichheit in der personellen Einkommensvertei-
lung führen.14 Ein zweiter wichtiger Indikator in Bezug auf die Entwicklung
der Topeinkommensanteile liefert die Entwicklung der Arbeitslosigkeit,
welche cet. par. auch Einfluss auf den Anteil der Höchsteinkommen hat.
Vor allem wenn unterstellt wird, dass Arbeitslosigkeit fast ausschließlich
Nicht-Hocheinkommensbezieher (d. h. in der Regel die unteren 90%)
betrifft, führt eine erhöhte Arbeitslosigkeit bei konstanter Erwerbsbevölke-
rung zwangsweise zu einem Anstieg der Einkommenskonzentration.
Zusätzlich kann man davon ausgehen, dass eine erhöhte Arbeitslosigkeit
über eine schlechtere Verhandlungsposition der Arbeitnehmenden einen
negativen Einfluss auf die Entwicklung der Reallöhne ausübt. Dieser Ein-
fluss wird insbesondere in den Arbeitsmarktsegmenten mit hoher Arbeits-
losigkeit, also insbesondere im Niedriglohnsektor, von Bedeutung sein.
Weiters ist auch die steigende Bedeutung von Teilzeitarbeit seit den
1990ern zu berücksichtigen. Teilzeitarbeit ist in der Regel nicht nur mit
82
Wirtschaft und Gesellschaft 38. Jahrgang (2012), Heft 1
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.