Volltext: Wirtschaft und Gesellschaft - 2012 Heft 2 (2)

wältigung dargestellt und evaluiert. Der darauffolgende Abschnitt präsen-
tiert einige Überlegungen wie die Vorteile des Euro langfristig gesichert
werden können.
Vergangenheit – Die ökonomischen Effekte des Euro
Im Folgenden soll auf Grundlage der wissenschaftlichen Literatur ein
Überblick über die ökonomischen Auswirkungen des Euro gegeben wer-
den, wobei ich auf die Bereiche Preisstabilität, Außenhandel, Wirtschafts-
wachstum und Beschäftigung eingehen werde. Aufgrund dieser Vor-
gangsweise ist einschränkend anzumerken, dass überwiegend nur die
Effekte des Euro in der Zeit vor der Finanz- und Wirtschaftskrise behandelt
werden können, da zu den Entwicklungen seit Beginn der Krise noch
kaum wissenschaftliche Untersuchungen vorliegen. Dies liegt zum einen
an der für die Erstellung derartiger Studien benötigten Zeit, zum anderen
dürfte es aufgrund des volatilen Umfelds in den letzten Jahren noch
schwieriger geworden sein die Effekte des Euro zu isolieren. Aber auch für
die davor erstellten Studien gilt, dass die Einschätzung der Effekte des
Euro mit einigen Schwierigkeiten behaftet ist, da die wirtschaftliche Ent-
wicklung im Euroraum nicht alleine auf den Euro zurückgeführt werden
kann und eine Einschätzung der Euro-Effekte nur im Rahmen eines
adäquaten Alternativszenarios möglich ist.1
Gemäß den einschlägigen europäischen Verträgen ist die Gewährlei-
stung von Preisstabilität das vorrangige Ziel des Europäischen Systems
der Zentralbanken. Hierbei war das Eurosystem durchaus erfolgreich, so
dass das Inflationsziel im Großen und Ganzen erreicht wurde und in den
meisten Ländern des Euroraums seit der Einführung des Euro niedrige
Inflationsraten zu beobachten waren.2, 3 Dies ungeachtet der Tatsache,
dass eine Vielzahl von Schocks (z. B. Tierseuchen, Ernteausfälle, Anstieg
des Erdölpreises und anderer Rohstoffpreise) auf die Inflationsrate zu
beobachten war. In Österreich lag die durchschnittliche Inflationsrate von
1980 bis 1989 bei 3,8%, von 1990 bis 1998 bei 2,3% und von 1999 bis
2011 bei 1,9%, wobei allerdings zuletzt mit 3,6% eine relativ starke Preis-
steigerung zu beobachten war. Auch wenn es bis zum Ausbruch der Wirt-
schafts- und Finanzkrise einen weltweiten Trend zu niedrigen Inflationsra-
ten gab und die Preisstabilität im Euroraum daher nicht alleine der EZB
zugerechnet werden kann, muss berücksichtigt werden, dass einige Euro-
raumstaaten vor der Währungsunion regelmäßig hohe Inflationsraten zu
verzeichnen hatten und es für die EZB als neu geschaffene Institution eine
herausragende Leistung ist, sich die Reputation einer auf Preisstabilität
bedachten Zentralbank geschaffen zu haben.4
Durch die Währungsunion wurden insbesondere positive Auswirkungen
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Wirtschaft und Gesellschaft 38. Jahrgang (2012), Heft 2
        

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