Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2012 Heft 2 (2)

auf den Außenhandel erwartet. Traditionelle Theorien gehen davon aus,
dass eine Währungsunion aufgrund des Rückgangs der Transaktionskos-
ten und der Unsicherheit über die Wechselkursentwicklung zu einer
Zunahme des Außenhandels führt. Eine alternative Erklärung bietet die
New-Goods-Hypothese,5 die auf die New Trade Literatur6 zurückgeht.
Diese Theorie erklärt die Zunahme des Außenhandels nicht in erster Linie
durch eine Intensivierung bestehender Handelsströme, sondern durch die
Ausweitung des Außenhandels auf zuvor nur lokal gehandelte Produkte.
Ausgehend von der vielzitierten Studie von Rose (2000) wurde in den
Anfangsjahren der Währungsunion eine Vielzahl von quantitativen Stu-
dien zu den Außenhandelseffekten des Euro durchgeführt. Ein Großteil
dieser Studien wird von Baldwin (2006a, 2006b) methodisch und inhaltlich
diskutiert. Basierend auf der von ihm erörterten Literatur geht Baldwin
(2006a) von einem Außenhandelseffekt des Euro zwischen 5% und 15%
aus, wobei er 9% als beste Schätzung bezeichnet. Eine weitere Metaana-
lyse von Rose und Stanley (2005) schätzt den Anstieg des Außenhandels
je nach verwendeter Methode auf 8% bis 23%. Insgesamt kann also – trotz
der unterschiedlichen Ergebnisse der Studien –- von einem positiven
Effekt des Euro auf den Außenhandel ausgegangen werden.
Obwohl ein zentrales Ziel der Wirtschaftspolitik, werden Fragen der
Beschäftigung bzw. Arbeitslosigkeit bei geld- und währungspolitischen
Analysen vielfach ausgeklammert – freilich nicht von Forschern der Arbei-
terkammer! Gerade bei einem so umfassenden Projekt wie der Währungs-
union ist diese Ausblendung nicht gerechtfertigt – wobei freilich vielfältige
strukturelle Einflüsse und regionale Entwicklungen speziell in Zeiten der
Krise mit bedacht werden müssen. Hinsichtlich der Beschäftigtenquote ist
seit der Einführung des Euro als Buchgeld im Jahr 1999 sowohl im Euro-
raum als auch In Österreich eine positive Entwicklung zu beobachten.
Ausgehend von einer Quote von rund 69% (Euroraum: rund 61%) stieg die
Beschäftigtenquote der 15- bis 64-Jährigen in Österreich bis zum dritten
Quartal 2011 auf 73% (Euroraum rund 65%). Die Entwicklung über die Zeit
war im Euroraum und in Österreich allerdings durchaus unterschiedlich. In
Österreich war bis einschließlich 2004 ein leichter Rückgang der Beschäf-
tigtenquote zu beobachten auf den ein starker Anstieg folgte, der durch die
Krise gebremst wurde. Im Euroraum insgesamt stieg hingegen die
Beschäftigtenquote bis zum Jahr 2008 und ging dann in Folge der Krise
zurück. Die Entwicklung der Arbeitslosenquote7 war insbesondere im
Euroraum weniger erfreulich. Nachdem die Arbeitslosenquote in einer Zeit
recht hohen Wirtschaftswachstums bis zum Jahr 2001 in Österreich auf
3,6% und im Euroraum auf 7,9% gesunken war, stieg sie in der darauffol-
genden rezessiven Phase bis 2005 in Österreich auf 5,2% und im Euro-
raum auf 9,1%. Der anschließende Rückgang der Arbeitslosenquote kam
durch die Finanz- und Wirtschaftskrise zu einem abrupten Ende. In Öster-
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38. Jahrgang (2012), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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