Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2012 Heft 2 (2)

ters, dass die Spitzeneinkommen zum weitaus überwiegenden Teil aus
Einkommen aus Gewerbebetrieben bestehen. Das stärkste Wachstum
zwischen etwa 1954 und 1970 war allerdings nicht in dieser Einkommens-
art zu verzeichnen, sondern in den Kategorien selbständige sowie nicht-
selbständige Arbeit, und Einkünfte aus Kapitalvermögen.8 Generell
schließt Chaloupek, dass die zunehmende Einkommenskonzentration in
Österreich bis 1970 nicht von höheren Einkommen an der Spitze getrie-
ben wird, sondern von einer Auseinanderentwicklung in den unteren
Bereichen der Einkommensverteilung.9
Weiters weist Chaloupek darauf hin, dass um 1970 die Konzentration
der Einkommen an der Spitze in Österreich damit jener in anderen Indus-
trienationen wie etwa der USA, Großbritannien oder Deutschland ver-
gleichbar war.10 Grafik 1 veranschaulicht dieses Argument, indem sie Da-
ten von Facundo et al. (2011) mit Chaloupek (1977) und den Daten aus
der integrierten Lohn- und Einkommensstatistik, die von 2006 bis 2008
von der Statistik Austria bereitgestellt werden, kombiniert. Zur besseren
Vergleichbarkeit mit den internationalen Daten wird hierbei für Österreich
das Gesamtbruttoeinkommen vor Steuern und Transfers verwendet. Ein-
schränkend ist jedoch festzuhalten, dass keine der Datenquellen reali-
sierte Wertzuwächse enthält. Zusätzlich sind aufgrund der Endbesteue-
rungsregelung in den Daten der Statistik Austria (2006, 2007, 2008)
Kapitaleinkommen untererfasst. Da Vermögen, die Basis von Kapitalein-
kommen, ungleicher verteilt sind als die Einkommen insgesamt, unter-
schätzen die Datenpunkte für Österreich 2006-2008 den Anteil des ober-
sten 1 Prozents am Gesamteinkommen aller Wahrscheinlichkeit nach.
Abbildung 1 verdeutlicht, dass alle Länder seit den 1980er-Jahren eine
stärkere Konzentration der Einkommen verzeichneten, wobei der Anstieg
in den angelsächsischen Ländern und zeitweise in Norwegen besonders
stark ausfiel. Die vorhandenen Daten weisen darauf hin, dass die Einkom-
menskonzentration in Österreich der in anderen europäischen Ländern
ähnelt. Im kontinentaleuropäischen Vergleich wies Österreich daher keine
signifikant egalitärere Entwicklung der Einkommen, gemessen am obers-
ten 1 Prozent der Einkommen, auf.
Diese internationale Entwicklung des obersten Endes der Einkommens-
skala präsentieren Atkinson, Piketty und Saez (2011) im Detail. Aus lang-
fristigen Einkommenssteuerdaten zeigen die Autoren, dass das oberste 1
Prozent der EinkommensbezieherInnen in kontinental- und nordeuropäi-
schen Ländern vor der Krise im Durchschnitt über das 8,5-fache des
Durchschnittseinkommens verfügte, während es um 1950 etwa das 7,5-
fache erhielt. Zwischen diesen Polen ging der Anteil des obersten 1 Pro-
zents am Gesamteinkommen zum Teil markant zurück. Diese Durch-
schnittswerte verbergen jedoch substanzielle Heterogenität. So lag dieser
Einkommensanteil vor der Krise in kontinental- und nordeuropäischen
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38. Jahrgang (2012), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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