Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2012 Heft 2 (2)

lichte General Theory of Employment, Interest and Money Keynes’. Dadurch wird nicht bestritten, dass Schumpeter und Keynes sich in ihren ökonomischen Visionen und theoretischen Entwürfen in bedeutender Hin- sicht voneinander unterscheiden. Die bestehenden Gemeinsamkeiten werden in der Literatur jedoch häufig übersehen. Dies ist insoweit ver- ständlich, als Schumpeter selbst sehr darauf bedacht war, sich vom Key- nesschen theoretischen Entwurf abzugrenzen und die General Theory bekanntlich in einer Rezension in einer Art und Weise niederzumachen versucht hat, die die Grenzen der Fairness und des guten Geschmacks überschreitet. Die Arbeit ist wie folgt gegliedert. Abschnitt 2 geht kurz auf einige Gemeinsamkeiten der beiden Autoren, aber auch auf bedeutende Unter- schiede ein. Es zeigt sich, dass sowohl Schumpeter als auch Keynes mit dem jeweiligen Mainstream ihrer Zeit in verhaltener Weise brechen – Schumpeter mit der österreichischen Variante der marginalistischen oder neoklassischen Theorie, Keynes mit der marshallianischen. Sie tun es in verhaltener Weise, weil beide bedeutende Elemente des Mainstream bei- behalten und damit ihren Ansätzen einen Teil ihres revolutionären Schwungs nehmen. Sie erleichtern damit ihren Kritikern die Aufgabe, den Ausbruchsversuch aus der Zitadelle der Orthodoxie vorzeitig abzufangen – zum Teil durch Integration einiger ihrer Ideen in die traditionelle neoklas- sische Theorie. Entgegen der Chronologie der Ereignisse beschäftigen wir uns in Abschnitt 3 zunächst mit der Keynesschen Investitions- und Zinstheorie. Diese darf als dem Leser besser bekannt angenommen wer- den. Abschnitt 4 befasst sich dann mit der Schumpeterschen Auffassung zum Thema. Während Keynes im Wesentlichen partialanalytisch argu- mentiert und keine Rückwirkungen eines sich ändernden Geldzinssatzes auf Preise und Kosten berücksichtigt, argumentiert Schumpeter wenigs- tens ansatzweise totalanalytisch und versucht derartige Rückwirkungen zu erfassen. Abschnitt 5 enthält einige Schlussbemerkungen. 2. Schumpeter und Keynes: Gegensätze und Gemeinsamkeiten Schumpeters Betonung von Innovationen, seinen „neuen Kombinatio- nen“, als der überragenden Tatsache der wirtschaftlichen Entwicklung kapitalistischer Ökonomien findet in Keynes keine Entsprechung. Die Key- nessche Vorstellung eines „Gleichgewichts bei Unterbeschäftigung“ sucht man bei Schumpeter vergeblich. Obzwar Schumpeter die Walrassche Theorie des allgemeinen Gleichgewichts in seiner Habilitationsschrift überschwänglich preist und ihr auch in seinen späteren Schriften immer wieder die Reverenz erweist, ist unübersehbar, dass er sich im Lauf der Zeit immer stärker von der sie prägenden Vorstellung von der Dominanz 198 Wirtschaft und Gesellschaft 38. Jahrgang (2012), Heft 2

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