Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2012 Heft 2 (2)

leistungsfähigkeit geordnet und dann aggregiert werden können, „so as to
provide a schedule relating the rate of aggregate investment to the corre-
sponding marginal efficiency of capital in general which that rate of invest-
ment will establish“.4 Die sich ergebende Kurve nennt er „investment
demand-schedule“ und konfrontiert sie mit dem aktuellen Geldzinssatz. Er
schließt: „the rate of investment will be pushed to the point on the invest-
ment demand-schedule where the marginal efficiency of capital in general
is equal to the market rate of return“5.
Das Keynessche Argument basiert auf der problematischen und des-
halb mit äußerster Vorsicht zu handhabenden Methode des partiellen
Gleichgewichts: Er nimmt an, dass die Kurve der Investitionsnachfrage
und der Zinssatz unabhängig voneinander sind. Würde die Kurve vom
Zinssatz oder der Zinssatz von der Kurve abhängen oder beide wechsel-
seitig voneinander, dann würde das Keynessche Argument in seiner vor-
liegenden Form nicht aufrechtzuerhalten sein. Mehrere Kommentatoren,
darunter Pasinetti (1974), haben darauf aufmerksam gemacht, dass das
Keynessche Argument eine Übertragung des Grundgedankens der klassi-
schen Theorie extensiv sinkender Ertragszuwächse auf das Feld der
Investitionstheorie darstellt. Die klassische Rententheorie nimmt an, dass
die verschiedenen Qualitäten von Grund und Boden in eine Fruchtbar-
keitsordnung gebracht werden können, wobei die erste Qualität die nied-
rigsten Stückkosten in der Produktion von, zum Beispiel, Getreide auf-
weist und somit die höchste Profitrate, die zweite Qualität die zweitnied-
rigsten Stückkosten usw.6 Unter Bedingungen freier Konkurrenz, das
heißt der Abwesenheit nennenswerter Beschränkungen des Markteintritts
und des Marktaustritts, werden die verschiedenen Bodenqualitäten ge-
mäß dieser Ordnung bearbeitet werden. Die Böden können auch gemäß
der von ihnen abgeworfenen Rente je Hektar geordnet werden. Auf diese
Weise erhält man die Rentabilitätsordnung der verschiedenen Böden.
Man ist in der Geschichte der Rententheorie lange Zeit davon ausgegan-
gen, dass die beiden Ordnungen unabhängig vom Zinssatz (bzw. der Pro-
fitrate) sind und übereinstimmen. Der fruchtbarere zweier Böden unter
allen kultivierten Böden ist demnach auch immer jener, der eine höhere
Rente je Hektar abwirft. Wie jedoch bereits mittels eines sehr einfachen
Modells gezeigt werden kann, ist dies nicht allgemein der Fall.
Dieses Ergebnis ist cum grano salis auf die Keynessche Kurve der
Investitionsnachfrage und seine damit zusammenhängende Sicht der
langfristigen Beziehung zwischen der Kapitalintensität der Produktion und
der Rate der Kapitalverzinsung übertragbar. Tatsächlich unterscheidet
sich Keynes’ diesbezügliche Sichtweise nur unwesentlich von der traditio-
nellen marginalistischen (oder neoklassischen). Beide unterliegen dem
„monotonischen Vorurteil“, wie es Sraffa genannt hatte. Gemeint ist die
Auffassung, dass die Nachfrage nach einem Input i pro produzierter Ein-
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Wirtschaft und Gesellschaft 38. Jahrgang (2012), Heft 2
        

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