Volltext: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

4.3 Nachhaltigkeit durch neue Nutzungspraktiken:
Das Beispiel Car-Sharing
Die Möglichkeit, Konsum vermehrt als den Zugang zu bestimmten
Dienstleistungen zu verstehen, anstelle den Erwerb von Eigentum ins
Zentrum zu rücken, ist ein aktuell viel diskutierter Ansatz im Kontext nach-
haltigen Konsums.33 KonsumentInnen erhalten so Zugang zu Objekten
oder Netzwerken, die sie, aufgrund finanzieller oder räumlicher Beschrän-
kungen oder aufgrund von ökologischen bzw. politischen Überzeugungen,
selbst nicht kaufen können oder wollen. Die Idee eines zugangs- oder
dienstleistungsorientierten Konsums ist dabei kein Novum. Seit Langem
sind KonsumentInnen daran gewöhnt, in Mietwohnungen zu leben oder
z. B. in Bibliotheken eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen, ohne da-
bei zum/zur EigentümerIn der Wohnung oder der Bücher zu werden. Mit
den Möglichkeiten des Internets und der Digitalisierung hat dieses Kon-
summodell eine neue Qualität und Quantität erhalten.34 Das Auto nimmt in
diesem Diskurs aufgrund seiner ökonomischen, sozialen und ökologi-
schen Bedeutung eine besondere Stellung ein.35
Der Ansatz des organisierten Car-Sharing, der im Folgenden kurz disku-
tiert werden soll, entwickelte sich aus zivilgesellschaftlichen Selbsthilfe-
gruppen heraus. Ziel war es für alle jene, die ohne ein eigenes Auto leben
müssen oder wollen, temporär eine (Auto-)Mobilität als Dienstleistung zu
ermöglichen. Ursprünglich waren die Car-Sharing-Organisationen genos-
senschaftlich bzw. in Vereinen organisiert – die Mitgliedschaft in den je-
weiligen Genossenschaften bzw. Vereinen war dabei verbunden mit dem
Anspruch auf die fallweise Nutzung der entsprechenden Fahrzeuge. Erst
Mitte der 90er-Jahre entstanden Car-Sharing-Organisationen in Rechts-
form von Kapitalgesellschaften in Deutschland.36
Obgleich Car-Sharing an sich keinen direkten regulativen Eingriff dar-
stellt, bietet dieses Konzept eine durchaus sinnvolle Ergänzung zu regula-
torischen Eingriffen in die Verkehrspolitik. Gerade in Hinblick auf die inten-
siv diskutierte Ausweitung der Kurzpark- bzw. Parkpickerlzone in Wien37
bietet Car-Sharing Ansatzpunkte für die kommunale Verkehrspolitik an:
Die komplementäre Einführung eines Car-Sharing-Systems kann gesell-
schaftliche Spannungen reduzieren, die in diesem Bereich durch eine
strengere Regulierung entstehen.
Darüber hinaus zeigen sich die positiven ökologischen Effekte von Car-
Sharing vor allem im Zusammenspiel mit einem gut ausgebauten öffentli-
chen Verkehrssystem.38 Insgesamt stellt die grundsätzliche Idee, Privat-
eigentum durch Dienstleistungen zu substituieren, eine zweckmäßige
Strategie für nachhaltigen Konsum dar, die jedoch oftmals durch regulato-
rische Eingriffe flankiert werden muss. Gerade beim Automobil, das nicht
nur durch die Benutzung, sondern vor allem in der Produktion umwelt-
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39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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