Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

als die aus ökologischer Sicht zu bevorzugende Lösung.47 In Frage stellen
lassen sich diese Resultate, die vornehmlich auf Daten zu Ressourcenver-
brauch (Wasser, Energie, fossile Brennstoffe etc.) und der Menge physi-
schen Mülls beruhen, durch eine Betrachtung der chemischen Eigen-
schaften der verwendeten Grundstoffe: So zeigen etwa Analysen von in
PET-Flaschen verkauftem Mineralwasser bzw. verkaufter Limonade,
dass diese durch einen mehrfach überhöhten Anteil an Antinom, einem
gesundheitsschädlichen Halbmetall, belastet sind und insofern als poten-
ziell gesundheitsgefährdend anzusehen sind.48 Bei entsprechender Inkor-
poration und Bewertung des Aspekts der Gesundheit wäre also eine teil-
weise Umkehrung der Ergebnisse – und vor allem eine signifikante
relative Steigerung der Vorteilhaftigkeit eines Glas-Mehrwegsystems – zu
erwarten.
Im Sinne einer erfolgreichen Regulierungsstrategie lässt sich aus dieser
kursorischen Betrachtung der Regulierung der Getränkegebindeausgabe
in Österreich die Schlussfolgerung ziehen, dass Mehrwegsysteme ten-
denziell verordnet werden müssen, da Handelsunternehmen versuchen,
ihre Logistikketten entsprechend der Gesetzeslage zu optimieren.49 Mit
dem Argument der physischen Müllvermeidung lassen sich derartige
Maßnahmen grundsätzlich rechtfertigen, ohne eine spezifischeren ökobi-
lanziellen Untermauerung einer solchen Forderung zu bedürfen.50 Dabei
ist die Implementierung von Mehrwegsystemen keinesfalls auf die Frage
von Getränkegebinden beschränkt, sondern kann in vielfältigste Richtun-
gen ausgeweitet werden. Sinnvoll ist hier nicht nur bestehende, hoch funk-
tionale Mehrwegsysteme (wie etwa das EURO-Paletten-Tauschsystem)
in den Blick zu nehmen, sondern dessen Ausdehnung auf neue Anwen-
dungsbereiche zu forcieren und eventuell sogar regulatorisch voranzutrei-
ben. Eine solche regulatorische Strategie würde dabei auch die Konsu-
mentInnensouveränität stärken, da etwa Quotenvorschriften hinsichtlich
Merhweggebinden den KonsumentInnen neue Optionen einräumen, die
aus ProduzentInneninteresse eliminiert oder zurückgedrängt wurden.
Dies zeigt aufs Neue, dass präzisere gesetzliche Regelungen individueller
Wahlfreiheit nicht notwendig entgegenstehen, sondern diese vielmehr
weiter befördern können. Der Einzelhandel bleibt dabei sicherlich ein zen-
traler Ansatzpunkt: So hat etwa der ALDI-Konzern in Belgien seinen Ge-
müse- und Obstverkauf bereits logistisch umgestellt und dazu spezifische,
wieder verwendbare Gebinde entwickelt.
Nichtsdestotrotz ist der Einsatz ökobilanzieller Analysen in vielen Fällen
als empfehlenswert anzusehen – vor allem wenn die technischen Randbe-
dingungen eines Mehrwegsystems, wie etwa im Fall der Wiederbefüllung
von Getränkegebinden – relativ komplex sind. In diesem Kontext sind ge-
rade Auftragsarbeiten hinsichtlich ihrer konzeptionellen Vollständigkeit,
d. h. der Frage, ob sie alle relevanten Bewertungsfaktoren berücksichti-
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39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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