Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

mittelbare Anwendung vorgefertigter Maßnahmenkataloge, zugunsten
einer individuell abgeleiteten Lösung. Damit wird jedoch deutlich, dass die
Forderungen des postkeynesianischen Paradigmas nicht immer mit glei-
cher Form und Stimme vorgetragen werden können und damit ein breite-
res Spektrum aufweisen. Sieht man das im Kontrast zur methodischen
und inhaltlichen Vorgangsweise im Rahmen neoliberaler Wirtschaftspoli-
tik des standardökonomischen Paradigmas, so wird deutlich, dass sich die
Schlagkraft der standardökonomischen Modellwelt, zumeist gerade auf
dieses universelle a-räumliche und a-historische Anwendbarkeitspostulat
des ökonomischen Mainstream konzentriert. Somit wird alleine durch die
Verwendung des Plurals in der Begrifflichkeit postkeynesianische Alterna-
tiven noch vor einer Evaluierung im Hinblick auf den Nutzen und Umsetz-
barkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen eine weitere Herausforderung
für diesen ökonomischen Theorieansatz geschaffen: das Antreten gegen
eine herrschende Ideologie, die stets die gleichen Handlungsempfehlun-
gen wiederholt und die ihrer eigenen Inadäquanz mit noch mehr von dem-
selben begegnet. Neoliberale Handlungen führen demnach noch nicht
zum gewünschten Erfolg, weil sie eben noch immer nicht von allen (Regio-
nen, Staaten, sonstigen AkteurInnen) vollkommen umgesetzt werden. De-
mentgegen büßt eine Alternative, die sich um eine spezifische Problemlö-
sung bemüht, nicht nur an Schlagkraft, sondern auch an Schnelligkeit ein,
denn hier bedarf es einer konkreten Analyse und Ursachenbekämpfung
nicht eines raschen allgegenwärtigen Allheilmittels.
Dies leitet zu einem weiteren Aspekt über, der für diesen Beitrag wesent-
lich ist: die schrittweise Darstellung eines alternativen Krisenmanage-
ments, von der Ausgangslage der Finanzmärkte (Abschnitt 3) über die
Verschuldungs- und in der Folge (Abschnitt 4) nun auch Verteilungsfrage
(Abschnitt 5), bis hin zu einer oft vernachlässigten Ursachenerforschung
für die Krise – nämlich den Wohnungsmarkt – und einem öffentlichen Auf-
trag im Bereich des Krisenmanagements (Abschnitt 6). Diese Elemente
verdeutlichen den Verantwortungsrahmen des Staates. Den Ausgangs-
punkt (Abschnitt 2) stellt jedoch, aufgrund der bereits verdeutlichten Be-
deutung des historischen und institutionell-strukturellen Rahmens für den
Postkeynesianismus, ein kurzer Überblick über die Etappen und institutio-
nellen Einbindungen des Paradigmas selbst dar.
2. Historische Perspektive und der ableitbare allgemeingültige
Handlungsrahmen
Nachdem sich der Postkeynesianismus in erster Linie auf die Schriften
von John Maynard Keynes1 bezieht, werden die historische Entstehung
und der Wandel im Bezug zu anderen ökonomischen Richtungen – vor
Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2
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