Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

Post-Keynesianische Theorie
und Politik
Rezension von: Paul Davidson, Post
Keynesian Macroeconomic Theory,
A Foundation for Successful Economic
Policies for the Twenty-First Century,
2nd Edition, Edward Elgar, Cheltenham
2011, broschiert, 354 Seiten, ? 35.
ISBN 978-1-849-80980-1.
Wenn jemand siebzehn Jahre nach
dem Erscheinen eines makroökonomi-
schen Lehrbuchs eine zweite Auflage
eben jenes Lehrbuchs veröffentlicht,
dann ist das eigentlich kein großes Er-
eignis, für das man sich unbedingt in-
teressieren müsste. Das gilt selbst
dann, wenn der Untertitel – wie im Übri-
gen auch schon der ursprüngliche –
verspricht, eine Grundlage für eine er-
folgreiche Wirtschaftspolitik des 21.
Jahrhunderts zu liefern. Paul David-
sons Lehrbuch „Post Keynesian Ma-
croeconomic Theory“ stellt diesbezüg-
lich jedoch aus mindestens drei Grün-
den eine seltene und wesentliche Aus-
nahme dar.
Erstens handelt es sich um eines der
wenigen Lehrbücher zur post-Keyne-
sianischen makroökonomischen Theo-
rie, die als echte Alternative zum Main-
stream der Volkswirtschaftslehre gera-
de für kritische Studierende und wirt-
schaftstheoretisch sowie -politisch In-
teressierte von potenziell großer Rele-
vanz ist.
Zweitens ist der Autor einer der profi-
liertesten und bekanntesten post-Key-
nesianischen Ökonomen überhaupt
und einer der Exponenten – wenn nicht
der Exponent – des US-amerikani-
schen Post-Keynesianismus. Paul Da-
vidson ist emeritierter Professor für Po-
litische Ökonomie an der University of
Tennessee in Knoxville, Mitbegründer
und Herausgeber des Journal of Post
Keynesian Economics sowie aktuell
Senior Fellow am Schwartz Center for
Economic Policy Analysis an der New
School University in New York.
In seinem langen Forscherleben hat
er extensiv sowohl über grundsätzliche
theoretische Fragen – vor allem die In-
terpretation von Keynes’ Werk und die
zentrale Rolle der fundamentalen Unsi-
cherheit – als auch über wirtschaftspo-
litische Themen publiziert. Hinsichtlich
der Wirtschaftspolitik hat er immer wie-
der die zentrale Bedeutung einer Re-
form des Weltwährungssystems her-
vorgehoben. Gerade in den letzten
Jahren war Davidson sehr aktiv und
hat eine Keynes-Biographie (Davidson
[2007]) und eine aktuelle wirtschafts-
politische Monografie nach der Krise
(Davidson [2009]) publiziert.
Drittens schließlich ist die Tatsache,
dass die zweite Auflage nach der Gro-
ßen Rezession erscheint, besonders
interessant, weil man sich entweder
besondere Einsichten bezüglich dieser
jüngsten globalen Wirtschafts- und Fi-
nanzkrise erhoffen mag oder aber man
an der Frage interessiert sein könnte,
ob die jüngeren Entwicklungen und be-
sonders die Krise denn etwas an der
ursprünglichen Position des Autors ge-
ändert oder sie möglicherweise sogar
verstärkt haben. Es ist nicht allzu ers-
taunlich, dass Davidson – wie viele an-
dere Post-Keynesianer auch – sich mit
Recht durch die jüngste Krise in seinen
theoretischen und wirtschaftspoliti-
schen Ansichten bestärkt fühlt.
Viel erstaunlicher ist, dass man sich
die aktuellen Bezüge und sämtliche
Unterschiede zur ersten Auflage als
LeserIn selbst mühsam heraussuchen
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Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2
        

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