Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

schaftshistorischen Faktoren für Ent-
stehung und Bedeutung der Denkströ-
mungen wichtig waren, wird ebenso
prägnant dargelegt wie die wissen-
schaftstheoretischen Grundlagen und
die zentralen Methoden der Paradig-
men. Fragen danach, welche Perso-
nen hinter einem Theoriegebäude ste-
hen, welches Weltbild dafür zentral ist,
welche Interessen damit bedient wer-
den und wer davon profitiert, dürfen in
einer kritischen Paradigmenanalyse
nicht fehlen.
Ausgehend von der Verortung wer-
den die Grundkonzepte der drei Theo-
riegebäude beleuchtet. Hintereinander
werden die grundsätzliche Herange-
hensweise, die zentralen Konzepte,
das Erkenntnisinteresse und die wirt-
schaftspolitischen Implikationen da-
raus für die drei Paradigmen darge-
stellt. Bei der Neoklassik wird dabei
u. a. auf die Annahme der Knappheit
der natürlichen Ressourcen, auf den
methodologischen Individualismus und
auf die Effizienz der Märkte eingegan-
gen. Im Unterkapitel zum Keynesianis-
mus werden u. a. die Konzepte der ef-
fektiven Nachfrage, der unfreiwilligen
Arbeitslosigkeit, der Bedeutung der In-
stitutionen und der fundamentalen Un-
sicherheit beleuchtet. Im Unterkapitel
zur Politischen Ökonomie wird der Fo-
kus auf die marxistische Darstellung
von sich im historischen Verlauf verän-
dernden Produktionsweisen gelegt,
und zentrale Konzepte wie etwa Klas-
sen, Mehrwert und Akkumulationsim-
perativ werden erläutert.
Der zweite, wesentlich umfangrei-
chere Teil des Buches befasst sich in
fünf Kapiteln mit zentralen ökonomi-
schen Themenfeldern. Beleuchtet wer-
den dabei jeweils die grundsätzliche
Herangehensweise, die zentralen Kon-
zepte und die wirtschaftspolitischen
Implikationen der drei Paradigmen.
Das erste Kapitel dieses Teiles behan-
delt die Themen Staat, Gesellschaft
und Wirtschaft, wobei vor allem das
Zusammenwirken von Markt und Staat
beleuchtet wird. Als nächstes werden
Fragestellungen zu Wachstum, Ent-
wicklung und Krise dargestellt, gefolgt
von einem Kapitel zu Ungleichheit und
Verteilung. Die letzten beiden Ab-
schnitte befassen sich mit Geld und
dem Finanzsystem und mit der Geo-
graphie der globalen Ökonomie.
Zur Veranschaulichung und zur Kon-
frontation mit realpolitischen Gegeben-
heiten werden in elf Vertiefungen un-
terschiedliche Themen aus Sicht der
drei Paradigmen von GastautorInnen
erläutert. Die Kurzdarstellungen span-
nen dabei einen weiten Bogen von Ar-
beits-, Wohlstands- und Verteilungs-
fragen über Klimawandel und Ressour-
cenpolitik bis hin zur feministischen
Ökonomie. Auch die Finanzkrise und
Entwicklungen in der Weltwirtschaft
werden behandelt.
Insgesamt gibt das Buch einen sehr
guten Einblick in die Grundlagen der
drei großen Denkströmungen. Dank
des direkten Vergleichs, bei dem viel
Wert darauf gelegt wurde, keine Stel-
lung zu beziehen, zeigt sich deutlich,
wie unterschiedliche die Erklärungs-
muster sind. Es wird auch ersichtlich,
dass jedes Paradigma für unterschied-
liche Fragestellungen ausgefeilte Ant-
worten liefert, andere hingegen kaum
behandelt. Durch die vielfältigen Be-
trachtungen werden die LeserInnen
dazu angeregt, sich eine eigene Mei-
nung zu bilden.
Die große Dichte und der weite Bo-
gen des etwa 350 Seiten dicken Bu-
ches hat jedoch auch zur Folge, dass
an manchen Stellen die Ausführungen
etwas knapp ausfallen, worunter die
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Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 2
        

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