Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 2 (2)

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39. Jahrgang (2013), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
Smiths als Marktfundamentalisten ent-
gegengesetzt ist.
Eine mittlerweile reichhaltige Litera-
tur, von Donald Winch und Gerhard
Streminger über Nicholas Phillipson
bis zu Emma Rothschild (um nur einige
der bekannteren Autoren zu nennen)
versucht mit unterschiedlichen Akzen-
tuierungen, den besonderen Charakter
Smiths als Liberaler, als Aufklärer und
als Ökonom herauszuarbeiten. Be-
stimmte sozialliberale Züge Smiths tre-
ten dabei unterschiedlich stark hervor.
Es ist indes im Lichte dieser Literatur
seit Längerem klar, dass Smith kein
verteilungs- und machtblinder Markt-
fundamentalist war. Und er war zudem
kein konservativer Wirtschaftsliberaler
im U.S.-amerikanischen Sinn, sondern
ein Aufklärer mit Skepsis gegenüber
technokratischem Absolutismus. Diese
besonderen Merkmale von Smiths
Theorie und Politik (sie stehen in der
Tat dem Bild Smiths als Marktfunda-
mentalisten entgegen) kommen bei
Blomert nicht ganz so prägnant zum
Ausdruck wie in dieser Literatur, auf die
er sich weder direkt noch indirekt be-
zieht. (Von Gerhard Streminger, der
ebenfalls in diese Literatur einzuord-
nen ist, wird die bei rororo erschienene
Smith-Biographie zitiert, aber nicht die
mehr interpretatorischen Schriften.)
Manche der spezifischen Züge
Smiths als Aufklärer verblassen dabei
etwas. So wird eine berühmte Schlüs-
selstelle im Hinblick auf Smiths Politik-
verständnis (Smith kritisiert darin einen
technokratischen Absolutismus, der
Menschen in realen Gesellschaften mit
Figuren auf einem Schachbrett gleich-
setzt und plädiert für eine Art Politik
des Zweitbesten) auf Seite 262 auf
eine Kritik an der Bewunderung politi-
scher Figuren durch ihre Parteigänger
reduziert.
Das hübsche Bändchen ist mit einer
passenden Anzahl von netten Illustra-
tionen und mit einem Endnotenapparat
von über 30 Seiten ausgestattet, in
dem neben bibliographischen Referen-
zen interessante Zusatzinformationen
und Erläuterungen zu finden sind.
Manches davon wirft indes für die ka-
priziös an Details interessierte Leserin
neue Fragen auf, so etwa der Bezug
auf „Keynes und sein(en) Schüler Sraf-
fa“ (S. 286, Endnote 33). Aber das ist
ein anderes, dogmengeschichtlich wo-
möglich weites Feld. Wir bleiben bei
dem, was im vorliegenden Kontext we-
sentlich ist: „Adam Smiths Reise nach
Frankreich“ wirft auf unterhaltsame Art
ein spezifisches, selektives Schlaglicht
auf Smiths kurzes 18. Jahrhundert –
und ist deshalb durchaus lesenswert.
Richard Sturn
        

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