Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

Inhalte sind heute weder rival im Konsum noch ausschließbar. Die Nicht-
ausschließbarkeit bedarf noch einer Klärung, denn genau hier liegt ein zu-
sätzliches Problem für die Auswertung von Urheberrechten im digitalen
Zeitalter. Nachdem sich am Urheberrecht nichts Grundsätzliches geän-
dert hat, bildet es nach wie vor die rechtliche Grundlage, Werke in ihrer
Verwertung und im Vertrieb zu lenken und zu kontrollieren. Dieses Recht
ist durch die Digitalisierung jedoch nur noch in Teilen durchsetzbar. Gere-
gelt und beeinflusst können nur die legalen Vertriebskanäle werden – nicht
die illegalen.
Dieses Phänomen ist im Prinzip nicht neu, allerdings sind die Auswirkun-
gen wesentlich größer als bisher und treffen die betroffenen Branchen
(Musik, Film, Literatur) sehr unterschiedlich. Am deutlichsten wird die Pro-
blematik wiederum am Beispiel Film, wo es integraler Bestandteil der ana-
logen Verwertungsstrategien war und erstaunlicherweise auch heute noch
ist, Märkte sowohl regional als auch nach Abspieltechnologie zu segmen-
tieren. In der sequenziellen Distribution werden zuerst jene Märkte belie-
fert, die den höchsten Grenzerlös in möglichst kurzer Zeit einzuspielen
versprechen: Das waren bisher die Kinomärkte; erst danach werden Video
on Demand, DVD, Streaming, Bezahlfernsehen und schlussendlich ande-
re Fernsehstationen beliefert.4 Die Auswirkungen der sequenziellen Distri-
butionsstrategie in Zeiten der Digitalisierung sind für den Filmbereich
groß. Je mehr Zeit zwischen den verschiedenen Freigaben liegt, desto
höher ist die Nachfrage nach illegalen Bezugsquellen.5 Gleichzeitig wer-
den die Märkte auch nach Regionen unterteilt. So gibt es verschiedene
Ländercodes auf den DVDs, die nur auf passenden Endgeräten abge-
spielt werden können, um Online-Bestellungen von anderen Kontinenten
und Regionen zu verhindern.
Der Segmentierung der legalen Märkte steht die illegale Distribution ge-
genüber, die global und technologieunabhängig agiert. Pointiert kann fest-
gestellt werden, dass das illegale Angebot das weltweite Angebot sowohl
regional als auch zwischen den verschiedenen Abspieltechnologien syn-
chronisiert.6 Varian (2005) argumentiert, dass eine neue Technologie, wie
im Falle von File Sharing, von der bestehenden Industrie wie ein neuer
Konkurrent aufgefasst werden sollte. Er plädierte für eine Marktlösung,
wie es sie auch in der Vergangenheit immer wieder gegeben hatte, wenn
neue Kopiertechnologien eingeführt wurden, wie beispielsweise bei der
Einführung der Fotokopierer, wo durch indirect appropriability7 eine Lö-
sung gefunden wurde. Interessanterweise wurde eine solche Marktlösung
für die Digitalisierung bis heute nicht gefunden, denn die legalen Angebote
unterscheiden sich nach wie vor wesentlich von den illegalen. Legale An-
gebote sind in ihrem Repertoire beschränkt, da erst die Rechte abgeklärt
werden müssen, bevor die Werke angeboten werden können. Selbst
große Plattformen wie iTunes oder Spotify verfügen nach wie vor lediglich
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39. Jahrgang (2013), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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