Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

Ein weiteres Problem ergibt sich aus der Festlegung der Höhe der flatra-
te und dem Verteilungsschlüssel. Nachdem es keine oder nur sehr gerin-
ge Marktsignale gibt, stellt sich die Frage, wie der Sektor oder auch nur
Teilsektoren wachsen oder schrumpfen und wie neue Firmen einen Markt-
eintritt bewältigen können. Woran ist zu erkennen, ob beispielsweise die
Filmwirtschaft wächst, aber die Musikwirtschaft schrumpft oder umge-
kehrt? Die Frage, wie viel Filme, Musik, Literatur etc. bereitgestellt werden
soll, ist somit eine kulturpolitische und kein Ergebnis aus Angebot und
Nachfrage. Nun wurde bereits kulturökonomisch argumentiert, dass Sub-
ventionen und öffentliche Bereitstellung für Teile der Kunst und Kultur
sinnvoll und richtig sind, während es für andere, massentaugliche Berei-
che einen Markt gibt. Eine flatrate würde aber auch die Bereitstellung von
massentauglichen Werken zur kulturpolitischen Frage erheben und somit
das Urheberrecht endgültig in Frage stellen.
Darüber hinaus wäre die Aufteilung der flatrate nach Sparten das Ergeb-
nis von Verhandlungen, und jede Änderung wäre wiederum ein Verhand-
lungsergebnis auf Basis des vorherigen. Neue Branchen hätten es
schwer, in den „Markt“ einzutreten, da das Budget durch die Festlegung
der Höhe der Abgabe fixiert ist, ein Aufteilungsschlüssel verhandelt wurde
und die Neuaufnahme z. B. der Spielebranche oder von Branchen, die erst
entstehen werden, wiederum das Ergebnis langwieriger Verhandlungen
und ginge auf Kosten der bereits etablierten Branchen. Sosehr eine flatra-
te in einem statischen Modell die Probleme der Digitalisierung zu lösen
scheint, so liegen ihre Schwächen in einer dynamischen Entwicklung der
Branchen und dem Herausbilden von Markteintrittsbarrieren.
4.2 Neue Geschäftsmodelle
Seit Beginn der Digitalisierung und auch noch lange vor der Entwicklung
von file sharing war absehbar, dass die analogen Geschäftsmodelle nicht
in die digitale Welt übersetzbar sein werden. Auch wenn oft – wie auch in
diesem Kapitel – von neuen Geschäftsmodellen die Rede ist, so handelt
es sich in der Regel um bereits bekannte Geschäftsmodelle, wobei ledig-
lich die Anwendung in der Kultur- und Kreativwirtschaft neu ist. Im Zentrum
der Überlegungen standen bundling,9 Netzwerkeffekte und Netzwerkex-
ternalitäten,10 aber auch zweiseitige Märkte sowie Abonnement- und Zu-
gangsmodelle. Viele dieser Modelle fanden in der Zwischenzeit auch An-
wendungen, sei es legal oder illegal. Die englische „Performing Rights
Society“ (PRS [2012]) gab gemeinsam mit Google 2012 eine Studie in Auf-
trag, um die existierenden illegalen Geschäftsmodelle zu analysieren.
Zwar zeigen diese Geschäftsmodelle nicht auf, wie die eingenommenen
Gelder fair verteilt werden können und wie Kreative und Produktionsfirmen
ihre Kosten amortisieren können, aber sie zeigen dafür, welche Einkom-
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39. Jahrgang (2013), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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