Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

mensmöglichkeiten es in einem digitalen Umfeld gibt und wie Geschäfts-
modelle aussehen können. Illegale Unternehmen können, wie bereits er-
wähnt, auf die Nachfrage ohne Zeitverzögerungen durch gesetzliche
Bestimmungen (z. B. Kinosperrfrist), ohne Rücksicht auf sequenzielle Ge-
schäftsstrategien und ohne Zeitverlust, der durch die legalen Transaktio-
nen zustande kommt, reagieren. Sie können somit das Repertoire schnell
und kundenfreundlich anbieten. Daher erlaubt das Studium der illegalen
Modelle einen Ausblick auf die Möglichkeiten, die das Internet bietet, sollte
es rechtliche Vereinfachungen geben, die den Markt dynamisieren.
Die Einkommensquellen der illegalen Modelle setzen sich aus den vier
Elementen Stückverkauf, Spenden, Werbung und Abonnements zusam-
men, wobei ersteres eine untergeordnete Rolle spielt. Werbung und Spen-
den sind die beiden Hauptkategorien, die zumeist auch in Kombination
auftreten. Die Abo-Modelle sind oftmals werbefrei und finanzieren sich
über eine Kombination aus Spenden und Beiträgen.11
Obwohl die Geschäftsmodelle, wie oben erwähnt, keinen Einschränkun-
gen im Angebot unterliegen, gibt es Faktoren, die ihnen die Entfaltung des
vollen Potenzials nicht ermöglichen. Durch den Umstand der Illegalität gibt
es von Seiten der NutzerInnen eher Hemmschwellen, Daten bekannt zu
geben, sich zu registrieren, Kreditkartendetails mitzuteilen etc. Das erklärt
auch zum Teil die starke Neigung zu Angeboten, die frei im Zugang sind,
obwohl die Benutzerfreundlichkeit gering ist. Werbung, Schadprogramme
und Spähprogramme (spyware) sowie die Notwendigkeit, zusätzliche Pro-
gramme zu installieren, bergen hohe Kosten des Konsums.
Betrachtet man die legalen Geschäftsmodelle, so spielen Werbefinan-
zierung und Spenden eine untergeordnete Rolle, und das Hauptaugen-
merk liegt – genau konträr zu den illegalen Modellen – auf dem Stückver-
kauf, wie beispielsweise iTunes oder Amazon zeigen. Hier wurde ver-
sucht, analoge Geschäftsmodelle, wie sie aus dem Verkauf von Daten-
trägern bekannt waren, in ein digitales Umfeld zu übersetzen. Erst in der
jüngeren Vergangenheit haben Abonnementmodelle (Streaming-Dienste)
wie Spotify oder Deezer für Musik und Netflix, Hulu oder Amazon Prime für
Filme an Bedeutung gewonnen.12 Die zuletzt genannten Modelle für Filme
sind allerdings zurzeit nur in den USA und einer kleinen Anzahl an ande-
ren Ländern erhältlich. Das heimische legale Angebot beschränkt sich
auf Plattformen wie Flimmit,13 die zwar ähnlich wie die großen amerika-
nischen Vorbilder konfiguriert ist, aber nur die Rechte für ein sehr kleines
Repertoire erwerben konnte. Generell profitieren die legalen Angebote
davon, dass NutzerInnen bereitwilliger persönliche Daten und Kreditkar-
tendetails bekannt geben. Dies ermöglicht das Anlegen von Abspiellisten,
das Verfügbarmachen von Inhalten offline und die Nutzung von Algorith-
men, die neue Inhalte empfehlen, kurz, das Anlegen von ausdifferenzier-
ten Nutzerprofilen. Diese Serviceleistungen und die Werbefreiheit erhö-
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Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 3
        

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