Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

Punkto Nutzbarkeit gibt es keinen Grund, warum legale Angebote den ille-
galen nachstehen sollten. Im Gegenteil, gibt es hier einen komparativen
Vorteil, da legale Angebote als vertrauenswürdiger gelten und deshalb
leichter an Nutzerdaten kommen bzw. NutzerInnen selbst Abspiellisten
anlegen, sich über soziale Netzwerke austauschen und neue Inhalte auf
Basis der Profile vorgeschlagen werden können. Der Vorteil beruht darauf,
dass es keine Notwendigkeit gibt, versteckt zu agieren. Zusätzlich geben
legale Angebote den NutzerInnen Rechtssicherheit und verringern so
auch die Kosten des Konsums. Bleibt zu guter Letzt noch das Kriterium
des angebotenen Repertoires, das, wie oben erwähnt, durch die derzeiti-
ge Praxis der Lizenzvergabe bei legalen Anbietern wesentlich geringer als
bei illegalen ist. Wie wichtig ein benutzerfreundlicher Zugang zu legalen
Angeboten ist, zeigte eine Untersuchung um die Auseinandersetzungen
zwischen dem TV-Sender NBC und iTunes. NBC drohte seine Inhalte von
iTunes zu entfernen, wenn Apple nicht bereit sei, höhere Lizenzgebühren
zu zahlen. Da es zu keiner Einigung kam, wurde der gesamte Inhalt von
NBC zu einem Stichtag aus dem Internet genommen. Bei der Messung
der illegalen Nachfrage vor und nach dem Stichtag wurde evident, dass
die illegale Nachfrage durch die Absenz einer legalen Alternative sprung-
haft anstieg.14 Das Vorhandensein einer legalen Alternative wirkt sich we-
sentlich auf die illegale Nachfrage aus – das bedeutet, dass es eine Zah-
lungsbereitschaft für legale Angebote gibt und legale und illegale
Angebote in Abhängigkeit der Zugänglichkeit substituiert werden. In eine
ähnliche Kerbe schlägt die Untersuchung von Danaher und Waldfogel
(2012) hinsichtlich der sequenziellen Distribution.
Eine mögliche Lösung, um der Problematik des beschränkten legalen
Angebots entgegenzuwirken, sind gesetzliche Lizenzen mit Vergütungs-
anspruch, wie sie auch aus dem Radiobereich bekannt sind. Radiostatio-
nen schließen Verträge mit Verwertungsgesellschaften, die sie dazu be-
rechtigen, Musik ohne weitere Genehmigung durch RechteinhaberInnen
zu senden. Das Argument dafür war, dass die Transaktionskosten für Ra-
diostationen zu hoch wären, wenn bei jedem Musikstück alle Rechte ab-
geklärt werden müssten. Im Gegenzug senden die Radiostationen Ab-
spiellisten an die Verwertungsgesellschaften, damit diese die pauschal
bezahlten Gelder entsprechend verteilen können. Eine ähnliche Vor-
gangsweise ist auch für den Internethandel denkbar. Vertriebe würden mit
Verwertungsgesellschaften Verträge abschließen und je nach Vertrag
einen bestimmten Teil des Umsatzes, einen bestimmten Betrag pro Nut-
zung oder eine monatliche Pauschale bezahlen. Dadurch können alle Ver-
triebe, ebensogut wie die illegale Konkurrenz, das gesamte Repertoire an-
bieten und Geschäftsmodelle entwickeln. Das Element des Wettbewerbs
konzentriert sich somit auf die Bereiche Nutzbarkeit und Preis, wodurch
sich vor allem der Markt der legalen Angebote dynamisieren könnte.
416
Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 3
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.