Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

5. Schlussfolgerungen
Die Auswirkungen, die von der Digitalisierung auf das Kulturfeld ausge-
hen, sind vielfältig und betreffen Erleichterungen in der Produktion, der
Weiterverarbeitung von Inhalten (remixing und appropriation art), user ge-
nerated content, das Entstehen von Teil- oder Halböffentlichkeiten durch
soziale Netzwerke und auch die Erneuerung der Vertriebs- und Ge-
schäftsmodelle.
Die ökonomische Rechtfertigung für ein Urheberrecht besteht in erster
Linie in seiner Anreizfunktion für kreative Tätigkeiten. Der rechtliche
Schutz soll das Amortisieren von Entwicklungs- und Entstehungskosten
ermöglichen, die in einer Wettbewerbssituation nicht erwirtschaftet wer-
den könnten. Da sich Information und somit auch alle digitale oder digitali-
sierbare Kunst und Kultur zu einem öffentlichen Gut gewandelt haben,
wird nach neuen Möglichkeiten gesucht, Inhalte zu verkaufen. Im Wesent-
lichen gibt es zum heutigen Zeitpunkt drei Lösungsansätze. Der erste An-
satz wird vor allem von Vertretern jener Unternehmen propagiert, die be-
reits mit den analogen Vertriebsmodellen sehr erfolgreich waren. Dabei
wird nicht in das Urheberrecht eingegriffen, sondern die Möglichkeiten der
Rechtsdurchsetzung werden erweitert. Diese Herangehensweise geht vor
allem zulasten des Datenschutzes und der Privatsphäre und ermöglicht
weitreichende digitale Überwachungsbefugnisse wie beispielsweise die
Nutzung der Vorratsdaten. Das bestehende Urheberrecht soll durch den
Einsatz flächendeckender Kontrollen und Sanktionen wieder operabel ge-
macht werden, wobei große Einschnitte in den Datenschutz und die Pri-
vatsphäre auf der Kostenseite dieses Ansatzes stehen.
Der zweite Ansatz fußt auf der Idee der Pauschalvergütung, wie etwa di-
verse flatrate-Modelle, aber auch auf der Abgabe auf Speichermedien.
Hier besteht das Grundproblem, dass der Markt für urheberrechtlich ge-
schützte Werke derzeit bereits von einem Rechtskonstrukt abhängt und
dessen konkreter Ausformulierung (Schutzdauer, Umfang, Durchsetzbar-
keit etc.). Nachdem der durch das Urheberrecht ermöglichte bzw. simulier-
te und beeinflusste Markt nun aufgrund der digitalen Kopiertechnologien
wiederum unter Druck gekommen ist, soll der Ausfall dieses simulierten
Marktergebnisses kompensiert werden. Da das ökonomische Rational
hinter dem Urheberrecht die Etablierung eines – wenn auch abhängigen
und nicht freien – Marktes ist, so stellt sich das Konzept in diesem Fall ge-
nerell in Frage. Arrow (1962) argumentierte, dass die Bereitstellung von
Information im Allgemeinen nicht durch Marktmechanismen erfolgen soll-
te, sondern generell durch alternative Formen.
Der dritte Lösungsansatz verändert die Rahmenbedingungen dahinge-
hend, den Wettbewerb sowohl zwischen legalen Angeboten untereinan-
der als auch zwischen legalen und illegalen Angeboten zu ermöglichen.
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39. Jahrgang (2013), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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