Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

Verdienste im Bereich der S-DL. Des
Weiteren steht das „soziale Klima“ in
den Betrieben einer Professionalisie-
rung von Arbeitsbeziehungen entge-
gen. Dementsprechend gibt es nur in
wenigen Organisationen einen Be-
triebsrat.
Europäische und nationale Trends
In einem weiteren Teil des Buches
konstatieren die beiden Autoren seit
den 1980er-Jahren starke Veränderun-
gen im Bereich der S-DL. Erreichte ihr
Ausbau 1978 mit der Vollversicherung
für alle Berufsgruppen seinen Höhe-
punkt, so werden der Sozialstaat und
somit auch die S-DL seit den 1980er-
Jahren stark umgebaut. Als Gründe für
diese Veränderungen nennen Dimmel
und Schmid die Wiederkehr der struk-
turellen Arbeitslosigkeit, Verschiebun-
gen in den demografischen Strukturen
sowie die Globalisierung.
Im Zuge des Umbaus haben sich die
Ziele von S-DL verändert: Hinsichtlich
der EmpfängerInnen von S-DL wird
Wert darauf gelegt, dass sie für sich
selbst Verantwortung tragen können
und in der Marktgesellschaft eigen-
ständig reüssieren. Im Zuge dessen
werden KlientInnen auch zu KundIn-
nen umgedeutet, obwohl sie dieser
Rolle oft gar nicht gerecht werden kön-
nen. Gleichzeitig erschweren zahlrei-
che Sparpakete und geringer werden-
de Haushaltseinkommen den individu-
ellen Zugang zu S-DL. Hinsichtlich der
Rolle der öffentlichen Hand wird ver-
mehrt darauf geachtet, Finanzierungs-
risiken auszulagern und die öffentliche
Administration zu entlasten. Dement-
sprechend werden die Aufträge ver-
mehrt an private Träger übertragen.
Diese stehen in einem starken Wettbe-
werbsverhältnis zueinander. Um am
Markt als Billigstbieter bestehen zu
können, nützen die Träger wiederum
die „Selbstausbeutungsbereitschaft“
(S. 55) der Ehrenamtlichen für ihre
Zwecke.
Die Social-Inclusion-Strategie und
die Dienstleistungsrichtlinie (DL-RL)
der Europäischen Union haben diesen
Trend zur Vermarktlichung von S-DL
den Autoren zufolge weiter forciert:
Zwar bleiben viele sozialstaatliche Ent-
scheidungen weiterhin in der Kompe-
tenz der Mitgliedsstaaten; gemäß der
DL-RL müssen jedoch fast alle Aufträ-
ge öffentlich ausgeschrieben werden.
Nur Sozialwohnungen, Kinderbetreu-
ungsmaßnahmen und die Unterstüt-
zung von bedürftigen/behinderten
Menschen sind vom Sozialmarktwett-
bewerb ausgenommen.
Die beiden Autoren stehen diesem
Ökonomisierungstrend skeptisch ge-
genüber. Sie argumentieren, dass der
Begriff der Wirtschaftlichkeit für den
Bereich der S-DL „untauglich“ (S. 38)
ist und eine ökonomische Inwertset-
zung (im Sinne einer Input-Output-
Analyse) nicht möglich sei. Sie setzen
sich gegen Kürzungen im Bereich der
S-DL ein und fordern vor allem im Be-
reich der Kinderbetreuung (insb. bei
den Krippenplätzen und der Nachmit-
tagsbetreuung) und der Pflege einen
Ausbau von S-DL. Darüber hinaus ar-
gumentieren sie, dass die zunehmen-
de (Binnen- wie internationale) Migrati-
on, die Alterung der Gesellschaft sowie
die Gleichberechtigung zwischen
Mann und Frau zentrale Herausforde-
rungen sind, denen sich die S-DL in
Zukunft verstärkt stellen müssen.
Fazit
„Soziale Dienste in Österreich“ bietet
einen guten Überblick über die Struk-
455
39. Jahrgang (2013), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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