Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

459 39. Jahrgang (2013), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft faschismus“, so sprechen andere von Diktatur, autoritärem Ständestaat (Wohnout) oder vom autoritären christ- lichen Ständestaat/„Austrofaschismus“ (Hauch). Wünschenswert wäre eine Begründung für die jeweilige Begriffs- wahl. Das gilt auch für die Bezeichnung des Herrschaftssystems als Experi- ment (Schmit, S. 141). Unklar im Beitrag von Thaler bleibt aus meiner Sicht, inwiefern der Legiti- mismus ein ernstzunehmender politi- scher Akteur in der Zwischenkriegszeit war und der Einfluss der legitimisti- schen Bewegung in den Monaten vor dem „Anschluss“ am Höhepunkt war. Nicht nachvollziehbar ist die den Bei- trag von Wohnout durchziehende, nicht explizit ausgesprochene Grund- these, dass Dollfuß im politischen Ver- änderungsprozess im Wesentlichen nur der Getriebene war: von Mussolini und Hitler. Außer einem Hinweis auf die Einschätzung des italienischen Ge- sandten hat Wohnout keinen Beleg da- für, dass die Wahlen am 5. März 1933 in Deutschland einen mitentscheiden- den Faktor für das Einschlagen des au- toritären Kurses in Österreich bildeten (S. 611). Eine derartige Position resul- tiert daraus, dass die innerösterreichi- schen Voraussetzungen und Hinter- gründe für die Entwicklung ab dem 4. März 1933 überhaupt nicht berücksich- tigt werden. Nach Wohnout war mit dem Februar 1934 Dollfuß „endgültig jener Rest an außenpolitischer Hand- lungsfreiheit abhanden gekommen, der ihm bisher noch geblieben war. Er war enger denn je an Italien gekettet.“ Realiter trifft zu: Es war – wie auch Bin- der in seinem Beitrag anspricht (einsei- tige Bindung an Italien und Ungarn, S. 585) – eine selbstgewählte Kette. Ungeachtet dessen: Das von Wen- ninger und Dreidemy formulierte Ker- nanliegen und dessen breite Umset- zung im vorliegenden Sammelband stellt in der Literatur zum Austrofa- schismus eine Innovation dar. Der Band enthält eine Vielzahl interessan- ter, informativer und kritisch reflektie- render Beiträge. Die thematische Bün- delung von Analysen und Forschungs- ergebnissen ist für ForscherInnen glei- chermaßen wie für Studierende von großem Nutzen. Emmerich Tálos

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