Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

Editorial
Warten auf den Aufschwung oder
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Im sechsten Jahr der Wirtschaftskrise befand sich die europäische
Wirtschaft erneut in einer veritablen Rezession, Österreich darf sich im
Vergleich dazu zumindest über eine Stagnation freuen. Die Wachs-
tumsprognosen mussten seit Längerem Quartal für Quartal abwärts re-
vidiert werden. Allerdings blieben dabei die Prognosen für einen Wie-
deraufschwung der Konjunktur erstaunlich konstant: Seit Jahren wird
ein solcher für das jeweils darauffolgende Jahr vorausgesagt.
Dies lässt sich anhand der Revisionen der WIFO-Prognosen für das
reale BIP der Eurozone veranschaulichen, wobei fairerweise ange-
merkt werden muss, dass sich diese Demonstration ebenso mit den
Daten von anderen nationalen (IHS, OeNB) und internationalen (EU-
Kommission, OECD usw.) Prognoseerstellern anstellen ließe. Die Pro-
gnose für das Jahr 2012 lag im Dezember 2010, als noch nicht von
einer double dip-Rezession die Rede war, noch bei +1,5%, ein Jahr
später bei 0,0%, aber mit der Vorhersage einer Beschleunigung auf
1,3% im Jahr 2013. Ein weiteres Jahr später, im Dezember 2012, war
klar, dass die Wirtschaft der Eurozone im betreffenden Jahr schrumpf-
te, für 2013 wurden nur noch magere +0,2% erwartet, und die Hoffnung
auf Wiederbelebung wurde um ein weiteres Jahr auf 2014 (Prognose
+1,2%) verschoben. Bis zur jüngsten WIFO-Prognose vom Juni 2013
mussten die Annahmen weiter zurückgeschraubt werden. Für 2012
ergab sich ein Minus von 0,6%, für 2013 drehte sich das leichte Plus auf
ein Minus von 0,7%, und auch das vorausgesagte Tempo der Be-
schleunigung 2014 wurde auf 1,0% reduziert.
Es wäre nicht verwunderlich, würde sich dieses Muster (Abwärtsrevi-
sion der Wachstumsprognosen, Verschiebung der Vorhersage eines
Wiederaufschwunges auf das nächste Jahr) bei den kommenden Revisi-
onen fortsetzen. Denn die bisher dafür ursächlichen Faktoren sind nach
wie vor munter am Wirken, und es kann nicht wirklich schlüssig darge-
stellt werden, woher die im kommenden Jahr erwartete Dynamik eigent-
lich kommen soll. So ist das Profitieren von einer Belebung des Welt-
handels eine beliebte Erklärung, nicht zuletzt deshalb, da diese außer-
halb der Einflussbereiche von heimischer Politik und Wirtschaft liegt.
Weitere, im europäischen Bereich angesiedelte Erklärungsansätze für
einen bevorstehenden Aufschwung beruhen in der Regel eher auf vagen
Gefühlen als auf handfesten Fakten: Die internen und externen Finan-
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39. Jahrgang (2013), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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