Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2016 Heft 4 (4)

42. Jahrgang (2016), Heft 4

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Wirtschaft und Gesellschaft

chischen neokonservativen Pendants – in ihrer orthodoxen marktgläubigen Position. Hingegen nehmen fortschrittliche WirtschaftswissenschafterInnen und -politikerInnen auch bei uns sowohl die
konjunkturelle Unterauslastung als auch die soziale Herausforderungen rasch wachsender Bevölkerung zum Anlass, konkrete institutionelle Vorschläge für die Überwindung der Investitionsschwäche auszuarbeiten, etwa jenen einer „Goldenen Investitionsregel“
im Rahmen der EU-Fiskalvorgaben.
Der öffentliche Investitionsimpuls zielt auch darauf ab, eine Belebung der privaten Investitionstätigkeit auszulösen und so eine starke Multiplikatorwirkung in Gang zu setzen. Dies wird allerdings
wohl nicht ausreichen, um die volkswirtschaftlich sinnvollen Realinvestitionen gegenüber den oftmals schädlichen Finanzinvestitionen zu stimulieren. Dazu bedürfte es einer politischen Beschränkung der auf Finanzmärkten erzielbaren Gewinne, durch eine
generelle Eindämmung der Finanzaktivitäten mittels strenger Regulierung ebenso wie einer Schlechterstellung von Gewinnausschüttungen gegenüber realen Investitionen. Das Steuersystem
kann hierbei wichtige Weichenstellungen vornehmen.
Gerade die österreichischen KeynesianerInnen haben immer wieder auf die Notwendigkeit angebotsseitiger Ergänzungen einer expansiven Nachfragepolitik hingewiesen. Man denke nur an die umfangreichen empirischen Studien Josef Steindls zum Ausbildungsund Qualifizierungssystem aus den 1960er-Jahren oder an die Betonung der eigenständigen Technologie- und Forschungspolitik
durch Teddy Prager. Forschungs- und Entwicklungspolitik kann
jene Produkt- und Prozessinnovationen auslösen, die neue Wellen
des Produktivitäts- und Nachfragewachstums auslösen. Österreich
hat sich innerhalb von zwei Jahrzehnten vom europäischen Mittelfeld zur Spitze der forschungsstärksten Volkwirtschaften hochgearbeitet, die F&E-Quote ist von 2% auf 3% des BIP gestiegen.
Dabei weist Österreich mit Abstand die höchsten staatlich finanzierten F&E-Ausgaben aller EU-Länder auf. Über den technischen
Innovationen darf das Potenzial sozialer Innovationen nicht vergessen werden. Kollektivverträge stellen eine der wichtigsten und
erfolgreichsten Institutionen dar. In ihrem Rahmen ist es in den
letzten Jahren gelungen, ganz neue Wege der innovativen Verkürzung der Arbeitszeit zu beschreiten („Freizeitoption“).
Die Schwäche der Konsumnachfrage hat viel mit der zunehmenden Ungleichheit der Verteilung von Einkommen und Vermögen zu
tun. Die kurzfristige Konsumneigung des unteren Einkommensdrittels der Haushalte liegt bei 80%, jene des oberen Drittels bei nur
40%. Jede Umverteilung von Einkommen durch Steuern und
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