Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2016 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesellschaft

den bekannten MIT-Ökonomen Robert
Solow zu einer verärgerten Antwort, in
der dieser Shaikhs Kritik allerdings
nicht zu entkräften vermochte.3
Die klassischen Ökonomen Adam
Smith, David Ricardo und vor allem
Karl Marx haben großen Einfluss auf
Shaikhs Werk. Luigi Pasinetti prägte
ihn mit seiner Lehrveranstaltung über
die Ideen Piero Sraffas. Auch ein intensives Studium des Keynes’schen
Werks folgte. Diese vielfältigen Einflüsse durchziehen Shaikhs „Capitalism“
und dienen an vielen Stellen des Buches als Anknüpfungspunkte für seine
eigenen Theorien. Zum Beispiel orientiert sich eines der wichtigsten Konzepte im Buch, das Prinzip der turbulenten
Regulation, stark an den ökonomischen Bewegungsgesetzen, die bereits von Smith, Ricardo und Marx formuliert wurden. Trotz seiner Sympathie für die klassische Ökonomie findet
man laufend Bezüge zur neoklassischen Theorie, wobei sich der Autor als
profunder Kenner der herrschenden
Mainstream-Ökonomie zeigt.

Über Wettbewerb, Konflikt
und Krise
Das Buch ist aufgrund seiner inhaltlichen Breite fast enzyklopädischer Natur. Der Untertitel definiert mit „Competition, Conflict, Crisis“ die Schwerpunkte der Analyse. Der dreiteilige Aufbau
entspricht dem nicht ganz. Der erste
Teil ist eine Einführung in die Konzepte, auf die sich Shaikh wiederkehrend
bezieht: Was sind Kapital und Profit?
Wie funktionieren Produktions- und
Tauschverhältnisse? Was ist Geld, und
wie werden Preise bestimmt? In diesem Teil wird auch die verwendete Methodik des Buches beschrieben, die
sich vor allem durch eine scharfe Kritik
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42. Jahrgang (2016), Heft 4

sowohl von den Konzeptionen der
Mainstream-Ökonomie als auch von
den heterodoxen Denkschulen abgrenzt. Shaikh setzt sich dabei intensiv
mit der Verschränkung von Mikro- und
Makroökonomie auseinander und
lehnt idealisierte Modellwelten mit perfekten Unternehmen, perfekten Individuen, vollkommener Information, rationalen Erwartungen und optimalen Ergebnissen ab.
Daraus folgt auch die Zurückweisung
der Begriffe des vollkommenen und
unvollkommenen Wettbewerbs: „There
is no imperfection without perfection,
and there is no perfection at all.“
(S. 759) Der Autor entwickelt im zweiten Teil sein Konzept des „realen Wettbewerbs“, den er als zentralen Regulationsmechanismus des Kapitalismus
sieht. Er greift dabei direkt auf Marx zurück, denn hinter dem Wettbewerb
sieht er das Profitmotiv, das zu Expansions- und Akkumulationszwang führt.
Jedes Kapital handelt unter dem Imperativ der Profitmaximierung und kollidiert mit der Konkurrenz: „This is real
competition, antagonistic by nature
and turbulent in operation.“ (S. 259)
Firmen sind für ihn keine passiven Gewinnmaximierer, sondern aktive Profitsucher. Sehr pointiert formuliert es
Shaikh so: Perfekter Wettbewerb ist
ein Ballett, aber realer Wettbewerb ist
Krieg. Der Preis ist die Waffe der Unternehmen, die Werbung ihre Propaganda, die Unternehmerverbände ihre
Kirchen und der Profit ihr Gott.
Der dritte Teil des Buches widmet
sich makroökonomischen Dynamiken
und Wirtschaftskrisen. Ausgangspunkt
ist eine recht ausführliche Auseinandersetzung mit der Entwicklung moderner makroökonomischer Theorien.
Von der Keynes’schen Revolution bis
zur „Real Business Cycle“-Theorie
        

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